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Lea Behnen


Meine Zeit in Los Angeles, Amerika, war einfach unglaublich! Die Vorfreude war groß und die Neugierde auf dieses von mir noch nie besuchte Land stieg mit jedem Tag mehr, der sich dem 28. Juni näherte – dem Tag, an dem meine Freundin Julia und ich in die USA fliegen sollten.
Die Euphorie war schon im Flugzeug von London (wo wir unseren Zwischenstopp hatten) nach LA groß – nach Abschied von den Eltern und der reibungslosen Zwischenlandung in England waren wir total aufgeregt und mehr als begeistert, als wir unseren Flieger sahen, der uns in die USA bringen sollte – drei Reihen, Doppeldecker, große Sitze, eigene Fernseher für jeden – das werden die besten 10 Flugstunden unseres Lebens! Getoppt wurde dies nur durch 5 Mahlzeiten, zwei davon warm, die alles andere als lasches Flugzeugfutter waren!
Als wir in Amerika landeten, fühlten wir uns allerdings schon etwas steif – die ganze Zeit sitzen, 9 Stunden hinter unserer normalen Zeit und dann der Trubel am Flughafen…es dauerte ein wenig, bis wir uns durchfinden konnten, wo wir hinmussten, um zu unserer Gastfamilie zu kommen, doch Durchfragen hilft immer und die, die uns geholfen haben, zeigten sofort das Wesen des Amerikaners: freundlich, ungezwungen und fremdenzugänglich.
Schließlich ergatterten wir einen Shuttlebus für 34 $ für uns beide zusammen. Doch als wir an unseren Ziel ankamen, zeigte sich direkt, welchen Stellenwert das Trinkgeld in Amerika hat – egal, wo man ist oder welchen Service man in Anspruch nimmt…
Wir freuten uns sehr auf unsere Gastmutter, eine allein stehende Frau namens Greta Curtis, und das erste Aufeinandertreffen war überwältigend – im negativen Sinne. Ihr Haus war unsauber, sie drückte uns als allererstes einen mehrseitigen Katalog in die Hand, in dem stand, welche Regeln wir einzuhalten und wie wir uns zu verhalten haben, unser Bett bestand aus zwei zusammen geschobenen Betten, die immer auseinander gerollt sind und wo bei dem einen in der Nacht das Lattenrost durchgekracht ist, die Matratze war kaum dicker als eine doppelt gefaltete Decke, ein Schrank, in dem wir unsere Sachen  hätten lagern können, gab es nicht – wir hatten für zwei Personen eine ein Meter lange Kleiderstange mit vier Bügeln, eine vorgeschrieben Duschzeit von nur wenigen Minuten, die gar nicht eingehalten werden konnte, im Bad hing der Schimmel an der Decke, wir bekamen an unserem Ankunftsabend nichts zu essen und uns wurde von unserer Hausmutter auch nicht netterweise das bezahlt, was wir uns dann selber besorgt haben, sie telefonierte nur und interessierte sich nicht für uns, das Frühstück am nächsten Tag bestand aus einem Joghurt für jeden und wir bekamen nach Nachfrage bis auf auf der Herdplatte erwärmte Brotscheiben nichts mit in die Schule, unsere Hausmutter schrie uns an, als wir ihr nicht schnell genug zum Bus folgten, und noch einiges …
Wir sprachen in der Schule sofort Amanda an, die sich um Gastfamilien, Unterkünfte etc. kümmerte, und erzählten ihr von unserer Unterkunft. Wir hatten alles aufgeschrieben und heimlich am Ankunftstag Fotos gemacht, um Amanda alles zu zeigen. Sie teilte uns mit, dass sie nach einer Unterkunft schaut, aber es würde noch bis zum nächsten Wochenende dauern (an dem Tag war es Montag!).
Mit Sandra, einem anderen Mädchen, das bei unserer Gastmutter untergebracht war und welches wir in dieser Chaoswohnung zufällig „gefunden“ hatten und das aus Tschechien stammte und froh war, dass sich jetzt jemand der Situation annahm, verbrachten wir den Tag und kamen zusammen abends zurück zu unserer Gastmutter – die bereits gegessen hatte und zu uns meinte, dass wir nichts mehr zu essen bekommen würden. Nachdem ich nach etwas zu trinken gefragt hatte und es darin endete, dass unsere Gastmutter mit uns ein Gespräch über Respekt gegenüber Älteren führte und von uns verlangte, unsere Getränke gefälligst selber zu kaufen, setzte sie uns nachts um halb 12 vor die Tür. Ich verständigte den Notfallansprechpartner der Schule und trat mit Amanda in Kontakt, die uns abholte und in eine Residenz brachte, wo wir erstmal bleiben sollten.

Für uns begann unsere „wahre“ Sprachreise erst am nächsten Dienstagmorgen. Wir wurden in die Klassen eingeteilt und hatten für drei Stunden Unterricht. Es machte so viel Spaß, weil man mit vielen Leuten aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammen in einer Klasse und mein Klassenlehrer Adam einfach nur witzig war und gut rüberbringen konnte, was er mitteilen wollte. Zwar war der Unterricht nicht schwer, weil Themen behandelt wurden, die man selber schon in der Schule hatte, aber es wurde auf eine gute Art und Weise verpackt und war einfach gut, noch mal durchgenommen zu werden. Man lernte schnell nette Leute kennen und es machte einfach Spaß, sich mit jedem zu unterhalten.
An dem Dienstagabend geschah dann direkt etwas, das mein Fanherz einen Riesenhüpfer machen ließ: im Hollywood Bowl lief der erste „Zurück in die Zukunft“-Film, wobei das Orchester die Filmmusik live spielen und einige der Schauspieler kommen sollten: Lea Thompson alias Marty McFlys Mutter Lorraine, Claudia Wells alias Jessica Parker (Martys Freundin), Donald Fullilove als Bürgermeister Goldie Wilson und Doc Brown höchst persönlich, Christopher Lloyd!
Es war unglaublich und einfach nur grandios – der Hollywood Bowl war komplett voll, was hieß, dass 18.000 Menschen an den gleichen Stellen gemeinsam lachten, jubelten und klatschten – auf diese Weise habe ich noch nie einen Film gesehen und es zählt zu meinen persönlichen Highlights in Amerika!

Am nächsten Tag ging es nach Beverly Hills, wo es teure Autos, schicke Einkaufsstraßen, überteuerte, aber leckere Cupcakes und das „Pretty Woman“-Hotel Beverly Wilshire gab. Am Donnerstag verbrachten wir ein wenig Zeit am Walk of Fame, von dem unsere Residenz nur zwei Gehminuten entfernt war, und am Freitag kam mein zweites, persönliches Highlight: die Universal Studios! Als Fan von „Zurück in die Zukunft“, „Fast and Furious“ und „How I met your mother“ war ich da natürlich genau richtig aufgehoben. Wir fuhren durch Hill Valley, sahen das New York von Ted und Co., sahen nachgebaute und Originalautos von Dom und Brian, sahen den Original DeLorean von Doc Brown und vieles mehr. Die Actionrides waren etwas, das ich so noch nicht erlebt habe, denn man saß in einem Wagen wie in einer Achterbahn, um einen herum wurde simuliert, dass man in einer bestimmten Szene ist – egal, ob mitten im Kampf der Autobots gegen die Decepticons bei „Transformers“ oder zwischen King Kong und den T-Rex – die Studio Tour haben wir zwei Mal gemacht, einmal am Anfang unserer Aufenthalts und einmal die letzte Tour am Abend bei Dunkelheit. Man fuhr durch die Studios, erhielt verschiedenstes Backgroundwissen zu unterschiedlichsten Filmen und Serien und fuhr durch viele Filmsets. Besonders das Set der abgestürzten Boeing aus „Krieg der Welten“ war Angst einflößend, weil es eine echte Boeing 747 war, die für den Film in Einzelteile zerlegt worden war. Man dachte wirklich, dass man an einem abgestürzten Flugzeug vorbei fuhr (was ja fast auch stimmte)!
Als Souvenir kaufte ich mir einen Gryffindor-Schal im Harry-Potter-Geschäft. Ich schwankte sehr zwischen dem Schal und Harry Potters Zauberstab, fand den Schal dann aber doch nützlicher ;-). Und: 2016 soll das Dorf Hogsmeade samt Hogwarts in den Universal Studios stehen. Ich weiß also schon, wann ich zurückkehren möchte…

Der nächste Tag war der Independence Day. Julia und ich ließen den Tag sehr langsam angehen und gönnten uns ein langes Ausschlafen. Abends trafen wir uns mit einem neuen Bekannten und sahen uns die Feuerwerke für den 4. Juli von einem Hausdach aus an – wirklich schön!

Die Ereignisse der zweiten Woche waren ein Baseballspiel der Dodgers, Disneyland und der Santa Monica Pier und Beach. Das Baseballspiel hat sehr viel Spaß gemacht, ich aß überteuerte Hot Dogs und ich kaufte mir als Andenken einen Baseball und einen riesigen Foam Finger.

Am folgenden Tag, dem Freitag, war ich den ganzen Tag mit Michèle zusammen, einer Schülerin aus der deutschen Schweiz aus meiner Klasse in LA. Wir kamen schon am Vortag über „Der Herr der Ringe“ ins Gespräch, welche von uns beiden unsere allergrößten Lieblingsfilme sind, und haben uns innerhalb von Minuten angefreundet. Wir waren im Restaurant und bei Dave & Buster’s, wo wir uns ein Schokoladenfondue gönnten. Wir haben fast den ganzen Tag nur über „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ gequatscht. Das war dann aber schon ihr vorletzter Tag und der Abschied fiel uns sehr schwer. Wir stehen aber noch immer in Kontakt und wollen uns auch wiedersehen!

Am Samstag waren wir im Disneyland, welches sich als regelrechtes Gefühls-Auf und -Ab erwies – wir brauchten etwa zweieinhalb Stunden von unserer Residenz bis nach Disneyland, alles hat gut geklappt. Als wir das Eingangstor erreichten, waren wir sofort wie kleine Mädchen und freuten uns auf unsere Kindheitsfilmhelden. Doch für mich persönlich und auch für Julia und Klara (einer Deutschen, mit der wir uns dort angefreundet hatten) erwies sich Disneyland bald als kleine Enttäuschung: wir hatten erwartet, dass wir die Disneyhelden aus unserer Kindheit antreffen würden – Winnie Puuh, Simba, Mickey Mouse, Tarzan, Bambi, Kenai und Koda…doch anstatt Attraktionen oder Läden davon zu finden, gab es etwa fünf Achterbahnen, fast nur Verkaufsshops, Themen, die sich nur auf die neuen Disneyfilme bezogen (vor allem auf „Die Eiskönigin“), so gut wie keine Disneyfiguren, die umherliefen, und die Musik, die gespielt wurde, passte überhaupt nicht zum Park; wenn wenigstens Filmmusik gespielt worden wäre, aber wenn überhaupt, lief irgendeine unbekannte Dudelei. Natürlich werden auch immer gezielt die jüngeren Gäste und Kleinkinder angesprochen und die erleben nun mal erst mal die neuen Disneyfilme, aber etwas mehr Kindheitserinnerungen wären drin gewesen, denn genau das ist es, was Disney für so viele und vor allem für mich ausmacht!
Wir hatten auf jeden Fall Spaß und haben uns die Shops angeschaut und das Beste draus gemacht, aber 99 $ als Eintritt dafür (!) waren dann doch sehr happig.
Schließlich freuten wir uns aber doch auf die Parade und das Feuerwerk, welches beides abends stattfinden sollte. Als die ersten Figuren dann einzogen, brach bei mir plötzlich eine Barriere: Mickey Mouse und Goofy, „Arielle“, „Die Schöne und das Biest“, „Toy Story“, die Eiskönigin, Nemo, Rapunzel und so weiter erschienen, riesige Wagen mit unglaublichen Lichteffekten und Aufmachungen, tolle Musik und geniale Stimmung – ich stand nur da und war am weinen! Ich war so gerührt und fasziniert und schlagartig fühlte ich mich an meine Kindheit erinnert…Kindheit bedeutet Zuhause und da dachte ich an meine Eltern und hätte sie in dem Moment gerne bei mir gehabt. Ich weinte vor plötzlichem Heimweh, das ich nur im Disneyland hatte, und vor Rührung und Begeisterung.
Und so ging es mit dem Feuerwerk weiter. Es war das wundervollste, gewaltigste, fantastischste Feuerwerk, das ich je gesehen habe! Es wurden verschiedene Disneyfilme angesprochen und deren Logo auf das Disneyschloss projiziert, hinter dem das Feuerwerk in die Luft ging – eben wie zu Beginn vor jedem Disneyfilm, nur in Wirklichkeit zehntausend Mal besser! Auf jeden Film abgestimmt, wurde ein passendes Feuerwerk samt Musik und Filmausschnitten gezeigt: „Peter Pan“, mein lang ersehntes „König der Löwen“, „Arielle“, „Winnie Puuh“, „Rapunzel“, „Die Eiskönigin“! Es war fabelhaft und wir lagen uns anschließend nur in den Armen und weinten. Einerseits war der Eintrittspreis immer noch übertrieben, doch danach waren wir uns sicher, dass es sich allein für den Abend doch gelohnt hatte!

Am nächsten Tag, am Sonntag, ging es nach Santa Monica. Dort am Strand brannte die Sonne nur so auf uns herunter, doch es war unglaublich – als wir ins Wasser gingen, konnten wir regelrecht auf der Stelle laufen oder wurden durch die Gegend geschleudert, weil eine unglaubliche Kraft hinter den Wellen steckte, die auf den Strand zudonnerten – wenn sie kamen, wurde man regelrecht Richtung offenes Meer gezogen und im nächsten Moment schmissen sie einen ans Ufer – das war das beste Badeereignis, dass ich je hatte! Einmal bin ich sogar durch die Wellenkraft gegen einen Mann geworfen worden, der am Strand über Julia und mich lachen musste. Wir konnten uns selber vor Lachen nicht halten!

Für den Dienstag in der letzten Woche hatte ich mir vorgenommen, über den Walk of Fame zu gehen und jeden Stern zu sehen – und ich schaffte es! Beide Straßenseiten ergeben zusammen mehr als 7 Meilen und ich habe mir jeden einzelnen Stern angeschaut und bei für mich wichtigen Sternen Fotos mit mir gemacht: Peter Jackson, Vin Diesel, Robert Zemeckis, die Hand- und Fußabdrücke von Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint (Harry Potter, Hermine Granger und Ronald Weasley) vor dem TCL Chinese Theatre, und so weiter. Ich war an dem Tag für mich allein und habe es sehr genossen, durch LA zu bummeln.

Am Mittwoch entschloss ich mich, zu der Boutique von Claudia Wells zu fahren, die Jennifer Parker aus „Zurück in die Zukunft 1“. Sie war nicht weit von unserer Residenz entfernt und ich hatte mich schon riesig darauf gefreut, sie zu treffen! Ich suchte mir eine Route aus und fuhr mit dem Bus und der U-Bahn. Die Boutique ließ sich sehr schnell finden und ich bekam einen halben Herzstillstand, als ich sie auf der anderen Straßenseite sah und hinüberging. Ich ging hinein und stand in einem kleinen, hübschen Geschäft, in dem Armani-Anzüge verkauft wurden. An der Kasse stand eine Frau, die ich nicht als Claudia Wells erkennen konnte. Ich fragte nach Frau Wells und ob ich sie sehen könnte, doch dann der Schock: noch am Morgen des selben Tages hatte sie sich zum Flughafen aufgemacht, um zur ComicCon 2015 in London zu fliegen!
„Montags und Dienstags ist Claudia immer in der Boutique“, sagte Sissi, die beste Freundin von Claudia, wie sich die Frau vorgestellt hatte. „Vor einer Stunde hat sie mir noch eine SMS geschickt, dass es ihr gut geht.“
Ich konnte es nicht fassen – nur ein einziger Tag! Einen einzigen Tag war ich zu spät! Ich fiel aus allen Wolken – da war ich in Los Angeles, hatte die Möglichkeit, einen der Schauspieler aus einem meiner Lieblingsfilme zu sehen, und da verpasse ich sie um einen einzigen Tag! Ich ärgerte mich unglaublich und Sissi hatte richtig Mitleid mit mir. Doch natürlich bin ich nicht sofort wieder abgehauen – über eine Stunde unterhielt ich mich mit Sissi, sie zeigte mir Aufnahmen von dem „Back to the Future“-Konzert, die sie gemacht hatte, da sie mit Claudia ja ebenfalls da gewesen ist. Wir sprachen über Claudia, über „Zurück in die Zukunft“, ich machte Fotos von jeder Ecke und Kante der Boutique, und am Ende gab mir Sissi einen Flyer aus dem Film mit („SAVE THE CLOCK TOWER“), Visitenkarten von Claudia und ein Foto vor dem DeLorean von einem Freund Claudias (der natürlich genauso aufgemacht war wie der Film-DeLorean). Ich schrieb noch in das Gästebuch und machte zwei Fotos mit Sissi, wobei sie mich auch noch vor der Boutique fotografierte. Sie war unheimlich herzensgut und süß und nach einer Umarmung verabschiedete ich mich von ihr. Es war unfassbar ärgerlich, dass ich nicht Claudia Wells antreffen konnte, aber es hat sich mehr als gelohnt und ich bin froh, dass ich dort gewesen bin, weil ich Sissi kennen gelernt habe und einige Souvenirs ergattern konnte!

Den Freitag verbrachte ich noch mal mit Julia und Klara am Santa Monica Beach und wir haben einen wundervollen Sonnenuntergang genossen. Als wir abends zurück kamen, wurde ich von zwei Jungs aus meiner Klasse eingeladen, mit zu der anderen Residenz zu kommen – Alessandro und Francesco, wie sie hießen, hatten ihren letzten Abend und wollten den dort mit ein paar Leuten verbringen. Ich war erst sehr unentschlossen, wurde dann aber überredet, mitzukommen – und bin froh darüber, denn es war ein total schöner Abend! Wir haben uns alle miteinander toll unterhalten und man hatte die unterschiedlichsten Leute aus den unterschiedlichsten Ländern, mit denen man quatschte, was es nur noch besser machte. Es war schon drei Uhr morgens, bis ich mich entschied, zurück zur Residenz zu gehen, und ich schnappte mir Alessandro und Francesco, die auch in meiner Residenz wohnten, weil es alles andere als eine gute Idee ist, nachts um drei Uhr (vor allem als Frau!) alleine durch LA zu laufen. Und wie es kommen sollte, waren dort sofort zwei Gruppen von Betrunkenen, die uns anlaberten und einer wurde etwas aufdringlicher, weil er Geburtstag hatte (er wollte jeden von uns umarmen), aber dabei blieb es dann auch zum Glück…
Am Samstag stand mit anderen Leute eigentlich das Klettern in den Hollywood Hills zum Hollywood Sign an, doch aufgrund von Gewitter (das erste Gewitter in LA nach mehreren Monaten und wir erwischten es!) fiel der Plan ins Wasser (wortwörtlich). So wurde der Hyke auf den Sonntag verlegt und wir nahmen teil, doch gab es ein kleines Problem: noch am selben Abend war unser Rückflug! Um halb 10 abends sollte unser Flug gehen und wir mussten noch die Zeit fürs Check-In, fürs Hinfahren und fürs Duschen vorher einplanen (die Koffer hatten wir schon am Vorabend gepackt).
Dann ging es aber erst mal los. Was soll man groß sagen – drei Stunden klettern bei mehr als 35°, man schwitzte, man stöhnte, man konnte nicht mehr, man ging bis an sein Limit – und man bekam eine sensationelle Aussicht geschenkt, als man oberhalb der 15 Meter hohen weißen Buchstaben auf der Bergkuppe stand, die von so weit weg gesehen werden können! Auf dem Weg von der Bergkuppe hinunter gingen wir auch noch vor das Zeichen, so nah es ging, bis wir dann zurück in den Ort gingen. Zeitlich passte alles perfekt, es war zwei Uhr und wir würden pünktlich genug in der Residenz zurück sein. Wir fuhren mit Uber (das sind Menschen, die gerufen werden können, um einen mitzunehmen – im Prinzip wie Taxi fahren, nur günstiger und von zivilen Menschen unternommen) und setzten uns mit vier Leuten auf die Rückbank (ich saß auf Julias Schoß und konnte mich erst mal auf die anderen beiden Mädels drauf legen, als prompt ein Polizeiwagen mit Blaulicht an uns vorbeizischte), aber wir kamen unbeschadet davon. Der restliche Ablauf verlief reibungslos. Klara brachte Julia und mich bis zu dem Shuttle Bus, der uns zum Flughafen bringen würde, und der Abschied fiel uns schwer. Wir waren mit zwei anderen Jungs in dem Bus allein, die sich ebenfalls als Deutsche herausstellten und mit denen wir bis zum Flughafen quatschten.

Als wir dort ausstiegen und der Bus gerade weggefahren war, rutschte mir das Herz in die Hose und ich bekam blanke Angst: ich hatte meine Kamera im Bus liegen gelassen!
Ich konnte nicht glauben, dass das wirklich geschehen war! Ich wusste nicht, was ich tun sollte, und Julia stand auch einfach nur perplex vor mir uns sagte: „Die ist wohl weg.“
Ein Mann der Security (er stand etwas abseits mit zwei weiteren) merkte, wie ich Panik schob, und fragte, was los ist. Ich erklärte, dass ich meine Kamera in dem Bus liegen gelassen hatte, und er sagte etwas, was in dem Moment das Schönste war, was ich in meinem ganzen Leben je gehört hatte: die Busse, die die Leute absetzten, fuhren immer noch einmal rum und würden andere Leute wieder mitnehmen. Der Bus würde an der Haltestelle zwei Treppen runter so in 15 Minuten wieder ankommen. Ich feierte innerlich Party und raste hinunter zu der Station. Der Securitymann hatte gesagt, dass ich zu der grünen Haltestelle musste, und ich hatte das auch verstanden, doch in meiner Panik irrte ich am Bahnsteig hin und her, bis mir ein Passant sagte, dass die Grüne den Weg weiter runter wäre. Dann rannte ich dort hin und wartete, die schlimmste Zeit überhaupt – selbst die Zeit bei Greta Curtis war nicht so schlimm gewesen wie die Minuten, in denen ich auf den Bus warten musste. Ein anderer Bus der Linie, mit der wir hergekommen waren, kam an, und ich sprach die Busfahrerin an, ob sie wüsste, wann der Bus von Hollywood Vine käme (die Station, von der wir abgefahren waren). Sie konnte mir keine Auskunft geben und ich wurde weiter auf die Folter gespannt. Plötzlich kam Julia, um kurz nach mir zu sehen. Ich saß da und war kurz vorm Heulen und sie meinte: „Heulen bringt nichts, reiß dich zusammen!“
Wenige Minuten später schrieb sie mir von oben eine SMS, dass der Mann der Security, der mir schon geholfen hatte, runterkommen würde, und sie muss bei den Taschen bleiben (sie hätte eigentlich gar nicht kommen dürfen, weil die Security nicht die Verantwortung dafür hätte übernehmen dürfen, auf unsere Taschen aufzupassen, aber einer der drei hatte ihr nur zugezwinkert und sie zu mir geschickt). Der Mann sagte mir, dass ich nicht nur auf den einen Bus warten sollte, sondern auch andere der Buslinie anquatschen soll, ob die ihre Zentrale anrufen würden, um den Busfahrer zu informieren, mit dem wir gekommen waren. Ich wollte den nächsten Busfahrer deswegen anhauen und sah den nächsten Bus schon kommen – da war es unser Bus! Ich sprang auf und sprang ihm fast vor den Bus, so aufgeregt war ich. Die Tür ging auf und ich rief: „Ich habe hier meine Kamera liegen gelassen, ich muss nachschauen!“ Der Busfahrer, ein freundlicher und witziger Kerl, ging nach draußen und schaute im Kofferraum nach und ich guckte im Bus. Da saßen etwa sieben Menschen und ich fragte: „Ich habe meine Kamera hier vergessen, hat die jemand gesehen?“
Mega toll: jeder von ihnen suchte sofort mit, kniete sich auf den Boden und schaute überall nach. Ich guckte auf den hinteren Sitzen und dort, wo ich gesessen hatte, da fiel mir in der letzten Sekunde ein, dass ich die Kamera auf der Ablage über den Sitzen verstaut hatte. Ich suchte – und fand! Die Leute im Bus seufzten erleichtert und ich bedankte mich bei ihnen. Ich ging nach draußen und der Fahrer kam gerade zurück. Ich war ganz begeistert, fiel ihm um den Hals und sagte: „Ich habe sie gefunden, vielen lieben Dank!“
Der Busfahrer war sehr amüsiert über mich, hat sich aber mitgefreut und dann rannte ich nach oben, wo Julia mit den Securitymännern stand. Den, der mir die ganze Zeit geholfen hatte, musste ich ebenfalls umarmen, und dann gingen wir in den Flughafen. Das Erlebnis hatte aber erneut genau das widergespiegelt, was die Amerikaner im Wesen ausmachte und was ich ungeheuer toll finde: freundlich, zuvorkommend und sich nicht darum scherend, ob jemand fremd war oder nicht – man half und war offen und locker!
Ich presste die Kamera an mich wie ein Baby und wagte es nicht, sie irgendwo hinzulegen. Ich schlang ihren Griff durch die Träger meiner Tasche, sodass ich sie nirgends vergessen konnte (vor allem, weil ich die Kamera bereits auf dem Hinflug in dem Bus im Flughafen liegen gelassen hatte, der uns zu unserem Flieger gebracht hatte, und ein kleiner Junge hatte sie mir nachgetragen!). Wir checkten ein und verbrachten noch eine ruhige Zeit im Flughafen, waren im Flieger (der mit einer dreiviertel Stunde Verspätung abflog) und hatten einen guten Rückflug.

Abgesehen davon, dass wir uns dann bei unserer Zwischenlandung in London furchtbar beeilen mussten, weil unser Anschlussflug nur eine Stunde nach unserer Landung abgehen sollte und wir schon eine halbe Stunde weniger Zeit hatten aufgrund der Flugverzögerung, abgesehen davon, dass wir dann nur noch etwa zwanzig Minuten Zeit hatten, um unser Gate zu finden und durch die Sicherheit zu gehen, abgesehen davon, dass unsere beiden Taschen in die Sicherheitskontrolle gerieten und durchsucht werden mussten und abgesehen davon, dass wir eine Minute vor Gateschluss unser Gate erreichten und es dort dann doch wieder zwanzig Minuten länger gedauert hatte, bis es wirklich geschlossen wurde – abgesehen davon verlief unser Rückflug absolut reibungslos und für nichts auf der Welt würde ich diese Zeit gegen irgendetwas eintauschen. Obwohl – auf den Kurzzeitverlust meiner Kamera hätte ich schon verzichten können…

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