Oliver Schikorra

Mein Aufenthalt im südfranzösischen Montpellier hat sich gelohnt: Ich habe nicht nur einen guten Einstieg in die wichtige romanische Sprache Französisch gefunden, sondern auch eine wunderbare Region kennenlernen können; darüber hinaus bin ich in unserer Schule vielen interessanten Menschen begegnet, aus allen Altersklassen, vielen Nationalitäten, verschiedenen Berufen und mit ganz vielzähligen Motivationen, Französisch zu erlernen.

Untergebracht war ich in einem Studentenwohnheim sehr nahe der Schule; dies war recht zweckmäßig eingerichtet (ich hatte auf eine Hotelunterbringung aus Kostengründen verzichtet); außerdem waren dort viele Mitschüler untergebracht, so dass man auch außerhalb der Schule sozialen Anschluss finden konnte.

Mein Unterricht fand in der Regel morgens statt, was nicht bei allen Sprachstudenten so war (dies hängt von der internen Organisation des Sprachinstituts ab). Nach einem schriftlichen Einstufungstest am ersten Tag waren wir unseren Gruppen zugewiesen worden. Meine Klasse setzte sich aus Schülern der Altersgruppen ab 17 Jahren zusammen; mit 31 Jahren war ich hier anfangs der älteste. Obwohl die Voraussetzungen und die Gruppe in sich sehr heterogen war, verstand es unsere Lehrerin Julie wirklich gut und unverkrampft, Situationen zu schaffen und Themen zu Gesprächsanlässen zu machen, die dazu führten, dass wir uns zum einen äußern wollten, zum anderen unsere bescheidenen Sprachkenntnisse trotz sprachlicher Schwierigkeiten immer weiter verbessern konnten. Anfangs half ich gerne hier und da mal mit Englisch nach, doch das wurde ziemlich bald gnadenlos, aber sehr humorvoll von unserer Lehrerin unterbunden – und erzwang mit der Zeit dann doch klare Fortschritte.

Zu Beginn fand ich es sicher nicht leicht, aber zum Schluss konnte ich deutlich mehr als ich es vorher zu glauben gewagt hätte; mein Aufenthalt betrug zwei Wochen, manche Studierende hatten aber direkt drei, vier Wochen gebucht, einige Schweizer sogar zwei Monate (sie benötigen fundierte Französischkenntnisse innerhalb bestimmter Ausbildungen). Aber Achtung: Die Sprachfortschritte und der damit verbundene subjektive Erfolg und Spaß fielen nicht ‚vom Himmel‘: Hausaufgaben, grammatische Unterweisungen, viele Gesprächsanlässe unter der Prämisse, seine Meinung und Einstellung in der neuen Sprache und auch vor der Gruppe zu artikulieren – das gehörte regelmäßig mit ins Lernpensum. Gleichzeitig bereicherte dies aber durchaus inhaltlich, denn die Themen an sich waren ansprechend und breit gefächert, z. B. Zeit, Liebe, ‚political correctness‘, Bücher, Tattoos & Piercings ...

Zum Unterricht kamen natürlich viele Situationen, die der Alltag zwangsläufig bereithielt: auf dem Markt, im Restaurant, an der Rezeption, das Zusammentreffen mit netten Menschen, die ausschließlich Französisch sprechen ...

Die Zusammensetzung der Klassen wechselte wöchentlich; während man anfangs vielleicht unsicher und unbedarft in der noch neuen Gruppe war, gehörte man in der Woche darauf eher zu den ‚alten Hasen‘, die schon einiges konnten und wussten. Vorher hatte man von Besseren profitiert, jetzt lernten plötzlich Schwächere von einem – hieran konnte man seine Fortschritte bemerken.

Zusätzlich zum Unterricht konnte man an Exkursionen teilnehmen: nach Aix-en-Provence, nach Avignon, an Stadtführungen, Schlossbesichtigungen, Weinproben uvm. – alles mit französischer Führung selbstverständlich. Die Region bietet darüber hinaus viele lohnenswerte Ziele für jeden Geschmack an, die man sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch z. T. mit dem Fahrrad und natürlich mit dem Auto gut erreichen kann: die schöne Provence mit ihren duftenden Lavendelfeldern, die Camargue mit ihren weißen Wildpferden und durch Gewässer schreitenden Flamingos, zahllose herrlich lange Mittelmeerstrände, historisch reichhaltige Städte wie Nimes, Avignon, Sete, Aigues-Mortes ... – und: ein nahezu immer strahlend blauer Himmel!

Nach einigen Tagen gewöhnt man sich auch an die südfranzösische Mentalität: hier und da mal plaudern, der Musik auf den Plätzen lauschen, entspannt auf einer Parkbank sitzen, abends auf dem zentralen Platz (Place de la Comedie) neue Bekannte treffen und sich austauschen, auf dem Markt in Ruhe gutes Essen aussuchen – einfach alles etwas langsamer und ruhiger gehen lassen. - Mir persönlich ging es so, dass man sich irgendwann nahe am ‚savoir vivre‘ glaubte und etwas mehr begann, in den Tag hineinzuleben (und das obwohl man ja eigentlich zum Lernen da war).

Schließlich bekamen wir, die wir unseren Aufenthalt beendeten, ein kleines Teilnahmezertifikat des Instituts, auf das ich doch etwas stolz bin. - Der Abschied dürfte vielen nicht ganz leicht gefallen sein und fallen - von dieser ausgesprochen sympathischen Studentenstadt im Languedoc-Roussillon.