Cairns: Erika Behrens

Nachdem bei mir nun immer wieder Grössenwahn vermutet wurde, allein nach Australien reisen zu wollen, habe ich mich dann doch am 18. 11. mutig auf die Socken gemacht. Die grösste Hürde war jedoch die Hin- und Rückreise mit der Bahn Frankfurt/Main. Die Anbindung der verschiedenen Bahnhöfe an den Flugplatz sind eine Katastrophe. Ansonsten verlief alles einigermassen problemlos, auch Hongkong.

Ich war dann bei einer netten Gastfamilie einquartiert worden und ich möchte behaupten, dass dieses Haus mit einer australischen Villa zu vergleichen wäre. Die meisten Häuser sind bungalowartig gebaut.

Ich wurde auch dann gleich zu einer Weihnachtsparty unter freiem Himmel, auf Decken und Klappstühlen eingeladen. Es war alles ganz gut gemeint, aber eine Weihnachsstimmung kam mir unter diesen Umständen nicht auf.

Die Nähe des Regenwaldes bescherte uns auch einen ungebetenen Gast im Badezimmer.

Es hiess sie wäre „friendly“, also freundlich, aber Studentin Claudia bekam trotzdem eine Krise und die Spinne wurde vorsichtig evakuiert

Ich ging nun jeden Tag von 8.00 bis 12.00 Uhr ins College – zusammen mit 6 bis 8 japanischen/koreanischen Girls und Boys. Es gab erstaunlicherweise überhaupt keine Integrationsprobleme und meine kleine japanische Freundin Satchiko hat sich meine Adresse geben lassen. Dann werde ich wohl irgendwann Post aus Tokyo bekommen.

Zweite von links ist Satchiko.

Nachmittags war Freizeit für mich und ich bin in die „Lagune“ baden gegangen und habe das schöne Cairns erforscht. Die Strassen biegen grundsätzlich im rechten Winkel ab, man hat überhaupt keine Chance sich zu verlaufen. Ausserdem hatte ich gleich einen Stadtplan bekommen, der dann aussieht wie ein Schachbrett

Es gibt überall Ampeln, die aber fast immer ignoriert werden, denn man geht über die Strasse, wenn sie frei ist. Wer hat denn schon Lust minutenlang in praller Sonne zu stehen, wenn sowieso kein Auto kommt. Andererseits fahren einen die Abbieger über den Haufen, wenn auch die Ampel grün ist. Na ja, andere Länder .... Da dort der ungewohnte Linksverkehr herrscht ist es auch als rechts orientierter Fussgänger gar nicht so einfach, denn die Leute laufen ebenfalls auf der linken Seite, wie auch sämtliche Rolltreppen etc. befinden sich links, auch Drehknöpfe an den Türen. Ich bin viel mit den Bussen (Klapperkisten, aber mit Klimaanlage) unterwegs gewesen, Fahrpläne gibt's kostenlos, aber die Haltestellen werden weder angesagt noch angezeigt. Es ist aber so, dass der Busfahrer einen rauswirft, wenn man da ist. (Er merkt sich das wohl wenn man bezahlt.)

Ich habe in Cairns den Zoo besucht. Sie hatten dort viele der einheimischen Tiere – und da ist auch mein Foto mit dem Koala-Bährchen entstanden

Kakadus, weisse und schwarze (50.000 AU$ das Stück auf dem Schwarzmarkt) sieht man auch frei herum fliegen. Sind aber nicht so beliebt, weil sie ein unglaubliches lautes und missstimmiges Geschrei an sich haben.

Neben dem Zoo befindet sich eine Opal-Mine so als Schauwerk. Nicht sehr gross, aber eindrucksvoll und sehr interessant. Ein anderes Mal besuchte ich den Botanischen Garten mit unglaublich vielen wunderschönen exotischen Blumen und Bäumen. In Australien gibt es keinen Eintritt für Botanische Gärten.

Mein nächster grösserer Ausflug war der Besuch des Wooroonooran-Naturreservats. Die „oo“ in dem Wort spricht man als „u“ - ist aber auch nicht besser. Es war eine wunderschöne Regenwald-Tour mit Wasserfällen und Urwaldbäumen und riesigen bunten Schmetterlingen 
Das Foto zeigt eine fast handtellergrosse Tagmotte

Wir besuchten auch noch eine Krokodilfarm und man brachte uns doch einen erheblichen Respekt vor den sonst so langweilig daliegenden Biestern bei. Unglaublicherweise springen meterlange Krokodile blitzartig, bestimmt über einen Meter hoch aus den harmlos und ruhig daliegenden Teich. Keine Chance für Mensch oder Tier.

Man wird mit der Harke gekrault und man sieht doch wie er lacht !?

Aber mit zugebundener Schnauze sind sie doch süss – oder?

Dann traf ich Lesslie und wir machten so einige Ausflüge in die Umgebung unter anderem auch zu
„Daggys“ Fisch-Service-Station auf einer Anlegebrücke in Kuranda.. Dort konnten sich die erfolgreichen Angler den Fisch küchenfertig machen, bzw. auch gleich grillen oder braten lassen.

Den nächsten Sonntag verbrachte ich auf See, bzw. darunter. Ich besuchte das Barriere Riff und ging dort schnorcheln. Es war phantastisch. Natürlich waren fachkundige Betreuer an Bord und mit im Wasser, die darauf achteten, das keiner irgendwie zu Schaden kam, ertrank, sich verirrte oder von irgendwem gefressen wurde.

Es war das Unglaublichste was ich je gesehen habe. Die vielen bunten Fische grosse und kleine wimmelten da umher. Wirklich unbeschreiblich schön. Ansonsten ist ein Badevergnügen im Meer absolut unangebracht. Denn wenn man denkt, man kann sich im Wasser etwas abkühlen – weit gefehlt. Wassertemperatur am Strand so etwa +30°C, bevölkert von Krokodilen, Haien und diesen tödlich giftigen Würfelquallen (Box Jellyfish).Ø 20cm, mit 3 m langen Tentakeln.

Diese lieben Tierchen werden jedoch mit grossen Netzanlagen von Badestränden ferngehalten – aber eben nur dort. Ganz in unserer Nähe (Port Douglas) gab es eine Haiattacke und 2 Tote durch diese Quallen (ausserhalb dieser Netze natürlich). Man findet dort wunderschöne menschenleere Strände mit dem vielsagenden Schild: Danger – no swimming! - also Gefahr – nicht ins Wasser gehen.

Dann ging für mich die Zeit in Cairns zu Ende. Meine Gasteltern veranstalteten extra für mich eine Abschiedsparty (aber diese Leute machten jedes Wochenende immer irgendeine Party). Ich nahm dann mein Abschlusszeugnis vom Australian College of English in Empfang. Mit dem Zensurendurchschnitt von 2,4 bin ich sehr zufrieden. 
Etwas kurios war es schon, das ich zu Veranstaltungen oder Besuchen von Museen oder was auch immer, mein Eintrittsgeld entweder als Student (Studentenausweis) oder als Pensionär (auch Studentenausweis, weil das Geburtsdatum darauf steht) bezahlen konnte – was eben günstiger war.

Dann reiste ich mit dem TILT – Train (Zug) in Richtung Townsville zu meiner Brieffreundin Jenny Stephenson.

Dort besuchte ich das Museum of Tropical Queensland. In erster Linie werden da die Schicksale der englischen Kriegsschiffe „Pandora“ und Bounty“ (1787-1790) dargestellt und was man bei der Bergungen noch so gefunden hatte. Da Jenny´s Ur-Urgrossvater zu den Entdeckern von Australien gezählt wird (neben Ludwig Leichardt), ist sie in diesem Museum angestellt und machte dort Führungen. Ebenso gibt es in Townsville u.a. eine Leichartd-Street und eine Landsborough-Street (welcher Jenny´s Ur-Ur.... war, ein alter Schotte) . Desweiteren waren dort viele archäologische Funde dargestellt und rekonstruiert. (Riesige Urviecher und so.) Für mich war aber das Aquarium ein besonderes Erlebnis. Haie, Sägefische, Riesenschildkröten und jede Menge Schwärme kleiner bunter Fische

NEMO

Die Rückreise war mit der Qantas Airline von Townsville nach Cairns und man hatte da noch einen schönen Blick von oben auf das Meer und das Riff.

Dann wieder zurück mit der chinesischen Cathay Pacific Airways nach Hongkong. Es wurde dann Nacht und durch die Zeitverschiebung war sie eben viel länger als üblich. Es wurden Decken, Kissen, Schlafsocken und Zahnbürsten nebst Pasta verteilt und das Licht verdunkelt. Ich kam dann früh um 5.00 Uhr in Frankfurt, Flughafen, an, was wieder eine echte Herausforderung wurde. Ich schaffte den z.Z. einzig möglichen Verbindungszug zum Hauptbahnhof so gerade noch mit aufspringen!

Es war jedoch eine wirklich phantastische Reise und zu Hause war alles in Ordnung