Anne Notthoff

Im Vergleich zu vielen anderen Urlauben ja.

Sind zwei Wochen zum Französisch lernen nicht zu kurz?
Leider ja.

Hat es sich dennoch gelohnt und würde ich es wieder machen?
AUF JEDEN FALL!!!

Ja, man kann sagen, daß sich jeder Cent für diese zwei Wochen gelohnt hat, und daß ich, als sonst ziemlich sparsamer und nicht gerade vermögender Mensch, noch nie so gerne Geld ausgeben hab für zwei Wochen in einer anderen Welt.

Eine andere Welt in Paris, so nah vor der Tür? 
In einer Stadt die doch jeder schon kennt?
Oh ja.

Denn wer kennt Paris wirklich? Natürlich, auch ich kann das nach zwei Wochen nicht von mir behaupten aber dennoch war es eine unglaubliche Erfahrung, nach vielen kürzeren Aufenthalten in dieser verzauberten und facettenreichen Stadt den Luxus der Zeit zu genießen, sich alle Ruhe zu nehmen um einige Dinge "gründlich" zu erkunden.

Einen ganzen Tag im Musée Orsay zum Beispiel, einen Tag im wundervollen Museum Picasso. Der Garten Rodins, die wundervollen Jardins, die Aussicht vom Arc de Triomphe über alle strahlenförmigen Boulevards, ein Nachmittag im reizenden Jardin de la Aclimitation, ein Sommernachmittag in den zauberhaften Gärten von Bercy, ein langer Cafénachmittag, den interessantesten Beobachtungen des Alltags, mehrere Nachmittage ausgefüllt mit offenäugigem, immer wieder zu begeisternden Schlendern durch die schönsten, interessantesten oder aber auch fremdesten Viertel von Paris (in Bellville eine wundervolle Reminiszenz an einen vergangenen Thailandurlaub).

Die Ruhe von Pere Lachaise, dem alten Friedhof der einer bizarren und doch romantischen Stadt der Ruhe und des Todes gleicht. Freitag Abende im Louvre, neben unzähligen Jugendlichen die ebenfalls von dem freien Eintritt ab 18 Uhr für alle unter 26 profitieren.
Überhaupt die Museen in Paris: riesig, wunderbar konzeptioniert und meines Erachtens nach außerordentlich günstig (wenn ich z.B. einmal den Vergleich zu Düsseldorf oder Berlin ziehe...) und für alle bis 26 für reduzierten Eintritt zu betreten.

Ich könnte jetzt all die Dinge aufzählen und mit Begeisterung beschreiben, die ich in den zwei Wochen gesehen, erlebt und erspürt hab (allein die fabelhaften Gerüche, wenn im jüdischen Viertel der Duft aus den Bäckereien strömt, all die Farben überall, das Grün der ganzen Gärten, das Orange und Rot der Mohnblumen, der Geschmack von meisterhaften Minikuchen, jeder mit viel Liebe zum Detail und zur Qualität zu einem kleinen Kunstwerk geformt.

Ich könnte von vielen Begegnungen mit fremden aber aufgeschlossenen Menschen berichten, von einer überall zu spürenden Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Von mir entgegengebrachter Neugier, von dem Gefühl, sich in einer so großen Stadt allein reisend absolut sicher zu fühlen.
Ja, Paris ist sehr groß. Und trotzdem fühlt man sich alleine nicht einsam. Die Menschen scheinen mir sehr viel lockerer und offener für Gespräche zu sein als in Deutschland, von der oft geäußerten Herablassung und Arroganz der Pariser Bevölkerung habe ich jedenfalls nichts erlebt.

Kleine Beispiele:
Direkt nach der Ankunft am Gare du Nord mit dem Thalys (was ich jedem der nicht all zu weit von Köln wohnt nur empfehlen kann, der Zug ist recht günstig und man ist direkt im Zentrum von Paris) erklärte mir ein freundlicher Monsieur die für mich günstigste Metroverbindung, nachdem ich länger als zwei Minuten vor dem Plan gestanden hab.

Ein anderer, nicht viel älter als ich, bot mir an, meinen Koffer all die Stufen der engen Treppe zur Metro hinunter zu tragen.

Diese zwei positiven Erfahrungen machte ich innerhalb der ersten 20 Minuten in Paris.

Und nachdem ich mit der Metro zu der von IST angegebenen Metrostation gefahren und nach einem kurzen Fußmarsch (und auch hier mußte ich nur den Zettel mit der Adresse länger als zwei Augenblicke in begutachten, schon beugte sich jemand über meine Schulter und erklärte mir freundlich den Weg) MEIN Haus erreicht hatte, ein unglaublich großes Anwesen mit Garten, fast zu schön um heute noch neben all der Neuzeitarchitektur zu existieren, lernte ich meine Gastfamilie kennen.
Und SOFORT war diese mulmige Gefühl vor dem Unbekannten vorbei, die Frage wie es wohl wäre, zwei Wochen bei fremden Menschen zu wohnen deren Sprache ich kaum beherrsche.
Ich fühle mich sofort richtig gut aufgehoben und willkommen.
Zuerst zeigte mir die Familie gemeinsam das ganze große Haus und dann mein Zimmer. Und es war perfekt: ein kleiner gemütlicher Raum nur für mich, ein mit rosa Bettwäsche bezogenes Bett, ein Schreibtisch mit Stuhl und Lampe, ein Fernseher und ein großes Fenster.
Und dann noch perfekter: die gesamte obere Etage, mitsamt Badezimmer und Küchenecke, gehörte für zwei Wochen nur mir und den zwei amerikanischen Studenten, die mir neben allerlei wertvollen Tipps und den lustigsten Anekdoten aus Europa auch noch halfen, mein Englisch zu verbessern und meine schrecklichen Vorurteile gegenüber Amerikanern aus der Welt zu schaffen...

Sowieso: Paris ist eine so wundervoll internationale Stadt, sehr sehr jung, voll mit interessanten Reisenden, Studenten und Weltenbummlern. Hier hört man fast jede Sprache innerhalb eines Tages, die Neugier der Menschen ist überall spürbar.

Aber zurück zur Gastfamilie, denn ich denke, diese Punkt ist der kritischste wenn man sich einen solchen Aufenthalt überlegt.
Ich kann nur aus meiner Erfahrungen und den Berichten meiner Mitschüler berichten:
JEDER war sehr zufrieden. Die Familien scheinen alle sehr sorgfältig ausgewählt (im Anschluß an den Aufenthalt wird man auch zu ausführlichen Bewertungen gebeten) und auch durchgehend interessiert an dem interkulturellen Austausch zu sein, also nicht nur des Geldes wegen einem Fremden Unterkunft zu bieten.
Obwohl ich zum Beispiel nur Frühstück gebucht hatte, lud mich die Familie gleich am ersten Abend zum Essen ein und ich war so gerührt, daß sie extra für mich nur vegetarisches vorbereitet hatten, also meinen kurzen Brief aufmerksam gelesen hatten.
Und am Ende meiner Reise brachte mich die gesamte Familie mit dem Auto zum Bahnhof, was ich sehr begrüßte, da mein Gepäck durch all die günstigen Bücher (nur ein Tip: das größte FNAC Frankreichs, Metrostation LES HALLES!!) unglaublich schwer geworden war.

Ja, und dann der erste Schultag, und direkt ein Abenteuer und ein weiterer Beweis der hilfsbereiten Freundlichkeit der Pariser:
Ich hatte in aller Aufregung den Zettel mit der Schuladresse vergessen und stand um zwanzig vor neun (um neun sollte der Einstufungstest beginnen!!!) an der Metrostation Louvre. Und ich hatte NICHTS: weder die Hausnummer noch den Namen der Sprachschule, lediglich den Namen der Straße: Rue St Honore. Und die ist verdammt lang.
Was blieb mir anderes übrig als um Hilfe zu bitten?
Also bat ich eine junge Frau die gerade ihr Haus verließ um Hilfe, erklärte daß ich zu einer Sprachschule auf der besagten Straße müsse.
Und sofort rief die junge Frau mit ihrem Handy die Auskunft an, fragte nach Sprachschulen und schrieb mir Adresse von dreien auf einen kleinen Zettel.
Und ich hatte Glück:
gleich die erste wußte mit meinem Namen etwas anzufangen und schickte mich gleich mit einem mehrseitigen Testbogen in ein Zimmer in dem schon drei andere Schüler saßen.

Und so begann die für mich schönste Schulzeit.
Ich lernte Menschen aus allen Ländern der Welt kennen, jeder neugierig und begierig IRGENDWIE zu erfahren wie das Leben bei den anderen aussah, zuerst auf französisch und wenn das gar nicht mehr ging, dann eben auf englisch. Oder man fand sofort jemanden der einem bei kleinen Sprachhindernissen half.
Ich lernte gleich am ersten Tag Miriam aus Hamburg kennen, die ich hier ganz herzlich grüßen möchte, mit der ich den größten Spaß bei gemeinsamen Museumsbesuchen hatte.

Jeden Morgen freute man sich auf einen neuen Tag in der Schule, auf die netten Lehrer, den guten und lustigen Unterricht aber vor allem auf die Mitschüler.
Und natürlich die gemeinsamen Mittagspausen, bei Sonnenschein in den nahen Tuillerien verbracht, einem wunderschönen großen Park vor dem Louvre. Mit Baguette und lauter Leckereien die wir in einer Bäckereien kauften.
Und als es einmal regnete, beobachteten wir bei kleinen Speisen (leider ist das Essen nicht so günstig) die Businessleute von Paris, wie sie ihren Lunch mit uns in gemütlichen Bistros verbrachten.

Alles in allem hat mich diese kurze Urlaub sehr verändert. Nicht, daß ich sehr viel französisch gelernt hätte, dazu hab ich mich einfach zu wenig vorbereitet, mein Schulfranzösisch ist unangewendet über zu viele Jahre angetrocknet und verstaubt.
Aber dieser Urlaub hat mir gezeigt, daß man überall zurecht kommt wenn man nur den Mut aufbringt, den Mund aufzumachen.
Diese zwei Wochen haben mich motiviert, jetzt zuhause meine Grammatik aufzuarbeiten, Vokabeln zu lernen und so beim nächsten mal noch mehr profitieren zu können von dem guten Unterricht und der Unterstützung durch die Lehrer.
Denn das muß auch noch einmal erwähnt werden: man kann mit so ziemlich jeder Lernstufe anfangen und wird lernen. Denn die Lehrer achten in den kleinen Gruppen sehr sorgfältig auf die Fortschritte der Einzelnen und schlagen einem sofort und jederzeit eine andere Gruppe vor wenn sie glauben, in dieser besser aufgehoben zu sein.

Aber am meisten hat mir die Freiheit gut getan. Einmal fernab des Alltags, der Arbeit, der gewohnten Umgebung in einer großen Stadt zu leben und diese zu erleben.
Morgens mit all den Berufstätigen in der Metro, spät Abends zurück. Und dazwischen: in ihrer Intensität kaum zu beschreibende Eindrücke und Begegnungen. Sich Zeit nehmen und ein bißchen Paris aufsaugen.
Und sich in die Sprache verlieben.

Ich jedenfalls werde nächstes Jahr wieder kommen.
Und werde ebenfalls über IST buchen, denen ich hier auch noch mal dafür danken möchte, daß alles so gut geklappt hat, denn ich habe sehr kurzfristig und spät gebucht. :o)

Bisous, Anne