Claudia Quast

Ich habe mich vor ca. einem Jahr entschieden eine Sprachreise nach Frankreich zu unternehmen und habe mich aufgrund der guten Erfahrungen meiner Schwester für IST entschieden. Mir standen mehrere Städte zur Auswahl aber ich fühlte mich zu Paris, der französischen Hauptsstadt, hingezogen. Ich war noch nie in Paris und wollte es unbedingt kennen lernen. Ich bin nicht enttäuscht worden.

Über die Schulferien verbrachte ich 4 Wochen lang in einer französischen Familie, die sich sehr gut um mich gekümmert hat. Ich war sehr gespannt sie kennen zu lernen als ich einige Wochen vor meinem Abflug die Informationen über meine Familie erhielt. Ich würde die 4 Wochen bei einer älteren Dame namens Madame Forget verbringen, die in der Pariser Vorstadt Vanves lebt. Ich war zwar zuerst etwas überrascht von der Wahl dieser Unterkunft, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass man auch bei alleinlebenden Personen untergebracht wird, aber dies tat meiner Vorfreude keinen Abbruch.

Am 26.6. war es dann soweit. Um 13.00 Uhr Hamburger Ortszeit startete mein Flieger in Richtung Paris. Ich wurde merklich nervös und fing an wie verrückt Vokabeln in meinem Kopf zu wiederholen nur um festzustellen, dass ich sie alle perfekt beherrschte. Ich wollte mein erstes französisches Gespräch gut machen und gut darauf vorbereitet sein.

Als ich bei Madame Forget ankam, ging es sofort auf französisch los und ich war sehr von mir selber überrascht, wie leicht es mir gefallen war auf französisch im Kopf umzuschalten. Es war sehr ungewohnt und seltsam, weil mir französisch wesentlich weniger geläufig war als englisch, aber alles in allem war ich sehr stolz auf mich, wie viel ich bereits sprechen und auch verstehen konnte. Madame Forget war auch sehr rücksichtvoll und hat geduldig zugehört, als ich mir meine Sätze aus französischen Wörtern Stück für Stück zusammenpuzzelte. Aber meine Vorfreude auf die kommenden 4 Wochen waren ungebremst. Als Gastgeschenk habe ich Madame Forget deutsches Gebäck mitgebracht, worüber sie sich sehr gefreut hat. Mein Zimmer befand sich in der oberen Etage und war zweckmäßig eingerichtet mit Tisch, Stühlen und einem Bett natürlich.

Am Montag trat ich meinen Weg zum ersten Schultag in Paris an. Die Schule lag mitten im Zentrum von Paris. Rundherum waren Bistros, Cafes und diverse Boutiquen zum shoppen, sodass ich sofort Pläne faste, wo ich überall hin einkaufen gehen musste. Als erstes nahm ich an dem Einstufungstest teil, der aus verschiedenen Grammatikübungen bestand, wie Zeiten, Verbkonjugationen oder Präpositionen. Es fängt mit einfachen Übungen an und steigert sich zu schwereren bzw. komplexeren Leveln bis hin zum Verfassen eines freien Textes. Ich musste meine Freizeit beschreiben, was mir aber relativ leicht fiel. Danach hatte ich noch einen mündlichen Einstufungstest erwartet, der jedoch nicht durchgeführt wurde. Da war ich sehr froh drüber, weil ich von meinem gegenwärtigen sprachlichen Können noch nicht sehr überzeugt war.

Für meinen Aufenthalt hatte ich den Standardkurs gewählt, das heißt ich hatte von 9 Uhr bis 12.45 Uhr Unterricht. Das mag einem jetzt sehr lang vorkommen, aber so erschien es mir gar nicht. Meine Lehrerin Melanie (26) arbeitete recht zügig, sodass wir jeden Tag viel neues gelernt haben und die Zeit wie im Fluge verging. Es war während der Unterrichtszeit kaum Zeit für eine kleine Atempause, weil die Übungen Schlag auf Schlag folgten. Es war schon anspruchsvoll, aber mir hat es sehr gefallen, weil ich mich gefordert fühlte und dies meine Motivation zum Lernen antrieb. Um 10.30 gab es immer eine 20 Minuten Pause, in der man sich was zu essen kaufen konnte oder einen Cafe aus dem Cafeautomaten holen konnte zum wach werden.

Die Unterrichtsgruppen setzten sich aus Menschen von überall aus der Welt zusammen. Ich habe Leute aus Italien, Tschechien, Ungarn aber auch aus den USA und Japan kennen gelernt. Die Unterrichtsdiskussionsthemen waren so gewählt, dass man die jeweils andere Kultur der Länder kennen lernen konnte und Anreiz gegeben wurde sich verbal auszutauschen. Das fand ich sehr spannend und ich habe viele lustige Stunden mit meiner Gruppe verbracht.

Jede Woche ist jedoch jemand aus der Gruppe abgereist, weil deren Zeit bereits rum war. So blieb oft wenig Zeit sich besser kennen zu lernen und Zeit miteinander zu verbringen, sodass die Bekanntschaften eher oberflächlich blieben. Auch sind jeden Montag neue Schüler zur Gruppe gestoßen, die frischen Wind mit sich brachten und die Gruppe bereicherten. Auf diesem Weg lernt man wirklich unheimlich viele Menschen aus der ganzen Welt kennen, die trotzdem eines gemeinsam haben. Wir mühten uns alle mit französisch ab und konnten gegenseitig unsere Fortschritte verfolgen.

Nach Unterrichtsschluss hatte ich Freizeit, die mir alleine zur Verfügung stand. Davon war ich zuerst sehr überrascht, weil ich dachte, man würde sehr viel mehr in der bestehenden Unterrichtsgruppe machen. Dem war allerdings nicht so. Ich genoss vollkommene Unabhängigkeit in Paris und plante mein Freizeitprogramm ausschließlich selber. In der Schule hing zwar ein Zettel mit Angeboten aus, in die man sich eintragen konnte, aber sonst war der Rest einem selber überlassen. Demzufolge kann ich jetzt sagen Paris in und auswendig zu kennen. Ich habe natürlich bei Weitem nicht alles von Paris gesehen, dafür ist die Auswahl von Monumenten, Museen und Geschäften einfach zu groß. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie das Louvre, Champs Elysees, Sacre Coeur, Notre Dame und den Eiffelturm habe ich natürlich besucht, genauso wie ich mir ein Wochenende Zeit genommen habe, um Versailles ausgiebig zu entdecken. In den Park – und Gartenanlagen, die man überall in Paris verteilt findet, kann man sich herrlich entspannen und ausruhen. Allerdings muss ich hier eine Warnung für alle Ladies aussprechen. Ich bin häufig allein unterwegs gewesen und war dementsprechend eine leichte Beute für mehrere französische Männer, die mich auf einen Cafe einladen wollten. Das war zwar ganz charmant, aber wenn man jeden Tag auf die gleiche Weise angesprochen wird, dann verliert es irgendwann seinen Charme und nervt nur noch. Also meine Damen, wenn Sie dies oder ähnliches vermeiden wollen, dann nehmen Sie sich grundsätzlich eine Freundin oder noch besser, eine männliche Begleitung auf ihre Pariser Streifzüge mit, denn alleine ist eine Anmache garantiert.

Um noch mal auf meine Familie zurückzukommen, bei der ich gelebt habe. Ich glaube, dass es mir persönlich auch von Vorteil war, bei einer älteren Dame gelebt zu haben. So konnte sie sich immer viel Zeit für mich nehmen und sich mit mir austauschen. Sie hat mich jeden Tag nach meinen Erlebnissen gefragt und war auch sonst sehr gastfreundlich und herzlich. Neben Madame Forget und mir lebten auch noch andere Menschen in ihrem Haus. Zum Einen war da Kasuyo, eine Japanerin, die ebenso wie ich französisch lernte und zur gleichen Schule wie ich ging. Wir sind jeden Morgen zusammen zur Schule gegangen und haben uns sehr gut verstanden. Ich dachte ich würde die einzige Gastschülerin im Haus sein, aber da hatte ich mich geirrt. Es kann durchaus sein, dass mehrere Gastschüler in einem Haus wohnen, was mir persönlich aber auch sehr gefallen hat. Man teilt die selben Probleme, Ängste und Schwierigkeiten und kann sich unterstützen. Zum Anderem lebte bei uns im Haus Besma. Sie ist Algerierin, lebt aber in Frankreich. Sie hat jeden Abend für uns gekocht und war sehr aufgeschlossen und freundlich.

Madame Forget ist ehemalige Französischlehrerin und hat mich öfter auf meine Fehler hingewiesen und meinen Ausdruck verbessert. Das hat mir geholfen und ich habe in den 4 Wochen, die ich da war, viel neues dazu gelernt. Vor allem habe ich meinen Vokabelwortschatz erweitert und grammatische Kenntnisse vertieft. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich perfekt französisch spreche oder sich mein Sprachlevel schlagartig in ungeahnte Höhen erhoben hat, dafür sind 4 Wochen doch etwas kurz, aber ich bin wesentlich sicherer geworden und habe ein Gehör für die französische Sprache entwickelt, das es mir ermöglicht französisch zu verstehen, auch wenn es mal etwas schneller gesprochen wird. Darauf bin ich sehr stolz und entschlossen mein Wissen und Können noch weiter auszubauen. Ich bin froh, mich für solch einen Auslandsaufenthalt entschlossen zu haben. Es hat mir wieder einmal meine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit vor Augen geführt und mir geholfen mehr Selbstvertrauen in mein französisch zu setzen. Auch wenn es nur 4 Wochen waren, habe ich die französische Kultur intensiv kennen gelernt und wäre gerne noch länger in Paris und bei Madame Forget geblieben. Ich hoffe mein Bericht konnte Ihnen weiterhelfen und Ihnen ein aufschlussreichen Eindruck über einen Sprachaufenthalt in Paris vermitteln.

Merci et Au Revoir