Frau S.

Eine schöne Woche in Paris

Ich hatte mich relativ kurzfristig dazu entschlossen eine Woche meiner Weihnachtsferien für eine Sprachreise nach Paris zu nutzen. Ich wollte dadurch meine Französischkenntnisse vor dem anstehenden Abitur etwas ausbauen, hierbei vor allem das freie Sprechen, was mit in der Sprache vergleichsweise schwer fiel.

Natürlich ist für große Erfolge eine Woche einfach zu kurz, was mir natürlich auch vorher bewusst war, jedoch hatte ich aufgrund der Lage der Ferien keine Verlängerungsmöglichkeit, die ich jedoch gerne in Anspruch genommen hätte, da der gesamte Aufenthalt wirklich sehr schön und interessant war.

Ich reiste mit dem Zug an, was sich als bequem, schnell und unkompliziert erwies. Die Adresse meiner Gastfamilie hatte ich im Vorfeld bereits übermittelt bekommen, sodass ich jetzt vom Pariser Bahnhof mit der Metro direkt zur Wohnung des älteren Ehepaars fahren konnte, wo ich erwartet wurde.

Bei den ersten Orientierungsschwierigkeiten in der Großstadt erwiesen sich die Passanten als sehr hilfsbereit und engagiert, was ich in wirklich positiver Erinnerung habe. Durch die Mithilfe hatte ich dann meine Unterkunft für die nächste Woche erreicht und lernte meine Gastfamilie kennen. Diese hatte schon viel Erfahrung mit Gastschülern, beherbergten sie schon seit vielen Jahren meistens 2-3 Gäste gleichzeitig. Zum gleichen Zeitpunkt wohnte eine Schülerin aus Israel dort, und es war wirklich bereichernd sie kennen zu lernen.

Das Rentnerehepaar war freundlich und hilfsbereit, jedoch haben sie wahrscheinlich im Laufe der Jahre aufgrund von Routine das Interesse an den einzelnen Gästen verloren, da sie nicht besonders engagiert waren, was die Kommunikation mit mir betraf. Dies war ein wenig schade, ich hatte jedoch in der Schule, die am nächsten Tag begann, genügend Gelegenheit die französische Sprache anzuwenden.

Alle Neuankömmlinge mussten an einem einstündigen Einstufungstest teilnehmen, der im Anschluss direkt ausgewertet wurde. Leider nahm dies die Hälfte der eigentlichen Unterrichtszeit des ersten Tages in Anspruch, was bei einem kurzen Aufenthalt natürlich schade ist. In der Gruppe in die ich eingestuft wurde (B2), merkte ich schnell, dass meine Sprechfähigkeit in Vergleich zu den anderen deutlich schwächer war. Laut Einstufungstest gehörte ich von meinen Kenntnissen in diese Gruppe, jedoch bezog dieser sich auf Grammatik und Schreibfertigkeit. Scheinbar wird in Deutschland viel mehr Wert auf die Beherrschung dieser Fähigkeiten gelegt, sodass im Vergleich mit Schülern anderer Nationalitäten große Differenzen zur Sprechfertigkeit erkennbar sind.

Ich teilte meine Beobachtung der wirklich netten Lehrerin mit, und bekam sofort das Angebot probeweise eine Stunde  in der nächst niedrigeren Leistungsstufe teilzunehmen, welches ich am nächsten Morgen auch annahm. Ich wechselte jedoch danach wieder zurück in meine ursprüngliche Gruppe, da ich den Eindruck hatte, dass die Motivation der anderen dort höher war, und ich hoffte durch das hohe Niveau in meiner ohnehin kurzen Zeit in der Schule mehr zu lernen.

Insgesamt waren 9 Teilnehmer dort, die aus Deutschland, Brasilien und Japan kamen. Ich muss sagen, dass es umso schöner ist, wenn weniger Leute in der Gruppe sind, die die eigene Sprache sprechen. Es ist Pflicht in der Schule ausschließlich Französisch zu sprechen, was einem leichter fällt und mit weniger Hemmungen abläuft, wenn gar keine Deutschen dort sind.

Der Unterricht war wirklich toll, das Tempo sehr hoch. Die Hälfte des Tages wurde sich mit verschiedensten Grammatikthemen beschäftigt, und der zweite Teil bestand aus Hörverstehensaufgaben sowie freiem Sprechen. Wir beschäftigten uns mit aktuellen Zeitungsartikeln und diskutierten über verschiedene Themen des alltäglichen Lebens. Auch Tipps für Gestaltungen des Nachmittags bekamen wir von den Lehrern. Da diese wirklich kein Deutsch sprachen, und sowieso internationales Publikum anwesend war, wurden alle unklaren Begriffe und Vokabeln auf Französisch erklärt, was ich als sehr angenehm empfand. Man hatte den Eindruck dass die Lehrer wirklich Interesse an ihrer Arbeit hatten, dementsprechend motiviert und engagiert waren sie.

Während der Pause hatte man genügend Zeit die anderen Schüler kennen zu lernen und mit ihnen zusammen die freien Nachmittage zu planen. Ich war sowohl alleine, als auch mit Mitschülern unterwegs um Paris zu erkunden. Es ist sinnvoll möglichst zu Beginn des Aufenthalts eine Stadtrundfahrt zu machen, sehr schön ist dies auch spät abends in der beleuchteten Innenstadt.

Ich bin zusammen mit einer Mitschülerin an einem Abend auch in einem Kino gewesen, was ich sehr empfehlen kann. Man findet sich durch den Unterricht über Tag so schnell in die Fremdsprache ein, sodass es einem gar nicht mehr schwer fällt auch schnell gesprochenen Dialogen zu folgen.

Insgesamt kann ich sagen, dass sich der wenn auch kurze Aufenthalt auf jeden Fall gelohnt hat. In wie weit sich meine Sprachkenntnisse verbessert haben wird sich in den nächsten Wochen in Deutschland zeigen. Ich kann aber schon jetzt feststellen, dass mir das von meinem Lehrer gesprochene Französisch unglaublich langsam vorkommt.

Es war eine interessante Erfahrung für eine Woche alleine in einer fremden Stadt zu wohnen und zu lernen. Ich kann es jedem empfehlen sich einmal dieser Herausforderung zu stellen. Es ist dabei sicher von Vorteil keine deutschen Freunde mitzunehmen, da man dadurch nicht so offen auf andere Menschen zu geht und nicht wirklich in die Fremdsprache eintauchen kann.