Ilse Finkernagel-Nogalski

Über meinen iSt-Erwachsenensprachaufenthalt in Paris kann ich eigentlich stundenlang erzählen. – Ich bin schon ein älteres „Semester“ und hatte eine Woche lang zwischen jungen Leuten als einzige Deutsche einen französischen Intensivkurs belegt, d.h., morgens und nachmittags Unterricht mit einer Mittagspause von einer Stunde.

Ich war hervorragend bei einer Familie im 16. Arrondissement untergebracht. Isabelle, meine Madame, ist alleinstehend, ihre Kinder sind aus dem Haus, so dass ich eines der Kinderzimmer bewohnen konnte. Isabelle ließ mich schalten und walten, denn Sie schlief gerne lange und war mehr ein Nachtmensch. Ich kam gegen 18.OO Uhr nach Hause, aß mein bescheidenes Abendbrot und lernte und machte meine Hausaufgaben.

Am ersten Abend war ich zum Diner eingeladen und Isabelle tischte die feinsten Sachen auf, wie Foie gras, Salade komposée, Desert und einen guten Wein. Meine scheu wich immer mehr und wir haben uns auf Anhieb prächtig verstanden. Als ich am Sonntag, den 9. 9. mittags in Paris ankam, hatte ich den ganzen Nachmittag noch zur freien Verfügung, da ich erst zu 18.00 Uhr erwartet wurde. Mein Gepäck war schnell aufbewahrt und ich machte mich bei strahlendem Sonnenschein, es war auch zudem noch schön warm, auf meine Entdeckungstour. Ich war schon des öfteren in Paris, das erste Mal 1956 als ich meine französische Freundin besuchte und den ganzen Sommer bei Ihr bleiben konnte. Zwischen meinen weiteren Besuchen lagen immer einige Jahre, so dass ich gut die Veränderungen, Neuerungen und Modernisierungen von Paris mitbekommen konnte. Mit anderen Worten, ich habe mich fast wie zu Hause gefühlt.

Wenn ich wenig Hausaufgaben auf hatte, habe ich noch Museen wie das von Rodin besucht, die ich Dank meines Studentenausweises zum halben Preis besuchen konnte. Da ich schon als Kind mit meinen Eltern und Geschwistern viel gewandert bin oder sonstige sportlichen Aktivitäten ausübte, fiel es mir natürlich nicht schwer, alles zu Fuß zu machen, bis auf einige Wege, die eben sinnvoll waren mit der Metro oder dem Bus zu machen.

Zum Unterricht kann ich nur sagen, wir, das waren genau 9 Personen (Schweden, Venezuela, Türkei, Norwegen, Mexiko, Indien, Peru und ich als Deutsche) hatten vormittags eine Lehrerin, die mit uns hart Grammatik paukte und am Ende zum Mittag hin noch phonetische Übungen mit uns machte, d.h., wir hörten unterstützt mit einem Lesebuch Texte vom Band, die wir dann nach Gehör und Verständnis aufschreiben sollten. Da kamen manchmal ganz lustige Geschichten heraus.

Nach der Mittagspause unterrichtete uns ein Lehrer, der allein durch seine Gestalt und seine Mimik uns zum Lachen brachte. Er war ein guter Karikaturist, denn er malte einiges zu unserem besseren Verständnis an die Tafel und gab uns bei unserer Bildinterpretation immer noch Vergleichsausdrücke, die uns sehr helfen, Situationen zu beschreiben oder mangels der richtigen Vokabel zu umschreiben. Der Unterrichtsstunden waren am Nachmittag wie im Flug vergangen, weil wir alle so konzentriert mitmachten.

Ach ja, da habe ich, weil ich aus Göttingen angereist bin, den rasenden ICE von Saarbrücken nach Paris Est genommen, der in einem durchfährt und den Komfort der ersten Klasse bietet.

Die Freude auf diese Sprachwoche begann mit meiner Entscheidung, das als „Alte“ zu wagen.