Marie-Christin Bareuther

Paris, die Stadt der Liebe, Mode und vieler Sehenswürdigkeiten. Man könnte seine Tage dort mit etlichen Museumsbesuchen, Kulturdarbietungen jeglicher Art und dem. Genießen des französisch pariserischen Flairs ausfüllen und wäre damit mehr als nur beschäftigt. Aber warum dorthin fahren, um Französisch zu erlernen oder alte Kenntnisse wieder aufzufrischen, das doch für die meisten Menschen eine Menge Arbeit, Disziplin und vorerst wenig Spaß bedeutet?

Es schaut nur auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aus. Denn nach einem Tag in der Sprachschule hat man noch den ganzen Spätnachmittag und Abend zu Verfügung, um Paris zu erkunden. Meiner Meinung nach erlebt man Paris auf diese Art und Weise noch intensiver, da man nicht zu den Touristen gehört, die in 4 oder 5 Tagen panisch durch ganz Paris hetzen, um alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern sich jeden Tag eine einzelne Sache herauspicken kann. Außerdem kann es auch eine zusätzliche Motivation bedeuten, dort mit den sehr ungern Englisch sprechenden Franzosen ins Gespräch zu kommen oder nur den Pariser Alltag zu meistern.

Genau aus diesem Grund hatte ich mich auch für eine Gastfamilie entschieden, um auch mit den Gasteltern französisch sprechen zu können. Denn falls noch weitere Gastschüler dort unterkommen, werden diese wirklich immer so ausgewählt, dass man nicht mit einem weiteren Muttersprachler zusammen trifft. In meinem Fall bedeutete dies mit einer Taiwanerin und einem Amerikaner. Mein Zimmer und das Badezimmer, das ich mit diesen zwei weiteren Gastschülern teilte, war sehr geräumig, hell und sauber. Das war dort die Regel, wie ich in Gesprächen mit anderen Sprachschülern erfuhr. Man muss jedoch wissen, dass Franzosen in aller Regel dem Frühstück keinen so großen Stellenwert beimessen und dieses so auch schon mal nicht ganz so üppig ausfallen kann. Für mich gab es zwei Scheiben Tost (die später nach meinem Drängen bis auf 4 aufgestockt wurden), Marmelade und Tee.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Sprachschule, die im Zentrum Paris liegt, von überall sehr gut zu erreichen. Das Gebäude mit der Sprachschule im zweiten Stock liegt an sich in einer sehr schönen Straße und in Nachbarschaft edler Läden. So ruhig, schön und familiär die Räumlichkeiten auch innen sind, werden sie für die ganzen Sprachschüler langsam etwas klein, so dass man den Unterricht dicht zusammengedrängt verfolgt.

Die Sprachlehrer(innen) erlebte ich während meinem zweiwöchigen Aufenthalt als engagiert, kompetent und immer bemüht, bei dem sprachlichen Fortschritt zu helfen. Dies geschah zumeist durch einen strukturierten Unterricht, der alle Aspekte, wie Sprechen, Schreiben, Grammatik und Hörverständnis, im gleichen Maße abdeckte und ausschließlich in Französisch gehalten wurde. Die Klassengröße variiert wohl je nach Sprachlevel und Saison. So besuchte ich in meiner ersten Wochen einen Vormittagskurs (Standardkurs) mit 14 weitern Sprachschülern und einen Nachmittagskurs (Intensivkurs) mit fünf anderen. In der zweiten Woche zählten wir vormittags jedoch nur noch neun und nachmittags waren wir sogar nur noch zu dritt. Aber selbst wenn die Klasse einmal etwas größer ist, tut das dem Lernfortschritt nicht gleich einen Abbruch, da die Lehrer(innen), die oft auch studiert haben und manchmal sogar ehemalige Lehrer Frankreichs sind, damit umzugehen wissen und können.

Ansonsten gilt freilich das Motto, jeder tut und lernt, so viel er möchte, auch wenn er zu Vielem ermutigt und aufgefordert wird. So liegt es an einem selbst, ob man die Hausaufgaben, die jedoch ein gewisses Maß nie überschreiten, machen und z.T. auch abgeben möchte.  Sollte man sich aus irgendwelchen Gründen nicht wohl fühlen oder keinen sprachlichen Fortschritt bemerken, so haben die Sprachlehrer immer ein offenes Ohr für einen und passen sich auch den Wünschen der Sprachgruppe an.

Genauso kann man sich auch immer an die Organisatoren und Betreuer an der Sprachschule in Paris wenden. Egal, ob es sich nur um die Frage nach der nächsten Postzentrale, einem guten Restaurant oder vielleicht doch um ein Problem mit der Gastfamilie handelt. Diese sprechen nebst Französisch auch Englisch und sogar noch ein paar weitere Sprachen. So erscheint es auf den ersten Blick sehr hilfreich, wenn man seine Anliegen nicht in Französisch formulieren muss und die ansonsten in dem Unterricht geltende „Nur Französisch sprechen“-Regel durchbrochen wird.

Wenn man jedoch eventuell von anderen Sprachschulstandorten gewohnt ist, dass für die Freizeit gemeinsame Aktivitäten organisiert und angeboten werden, wird man etwas enttäuscht sein, dass das nur jede dritte Woche der Fall ist. Aber wahrscheinlich ist das in einer Metropole wie Paris gar nicht nötig, kann man sich auch selbst auf Entdeckungsund Erkundungstour begeben. Und für Fragen steht die Schule vor Ort einmal mehr zu Verfügung und hat auch reichlich Broschüren und Tipps über Paris ausliegen.

So kann ich für mich persönlich und für meinen zweiwöchigen Sprachaufenthalt mit iST ein positives Fazit ziehen: Französisch lernen und gleichzeitig auch Urlaub machen – das kann ich für jeden, der die Idee der Sprachschulen mag, weiterempfehlen. Und wer wirklich denkt, er würde von Paris und Umgebung zu wenig mitbekommen, kann ja danach wie ich noch ein paar freie Tage daranhängen und seine neu gewonnenen Sprachkenntnisse gleich vor Ort noch im Alltag verfestigen.

Bon voyage et bon courage!