Dana Hellemann

Meine Irlandreise begann denkbar schlecht:

Zwar saß ich zufälligerweise im Flugzeug von Hannover nach Amsterdam neben einem Iren aus Cork (!), mit dem ich auch gleich ins Gespräch kam und so eine erste Einstimmung erhielt, jedoch trübte sich meine positive Stimmung beim Anflug auf Cork:

wegen schlechten Wetters konnten wir nicht landen und flogen nach Shannon.

(Das schlechte Wetter blieb mir die gesamte Reise über erhalten: Regen, Regen, Regen)

Nach 2 Stunden Busfahrt von Shannon nach Cork und insgesamt 4 Stunden Verspätung kam ich also eher missgelaunt in Cork an. Vom Flughafen wurde ich von Paudie, meinem housedad, abgeholt und zu meinem neuen, wenn auch nur temporären Zuhause gebracht.

Paudie und Rose leben in einem kleinen, gemütlichen Haus im Vorort Douglas/Grange.

Ich hatte mein eigenes Zimmer mit einem eigenen Bad und einen eigenen Haustürschlüssel. Außer mir lebten noch Carolina aus Spanien und Shoko aus Japan bei Rose und Paudie. Wir verstanden uns sofort und unterhielten uns oft, meistens mit Händen und Füßen- und natürlich Englisch- wobei wir viel Spaß hatten und meistens über uns und unsere Verständigung lachten.

Meine Schule war das Cork Language Center in Wellington Road.

Unglücklicherweise kam ich gleich am 1. Schultag, an dem der Einstufungstest vorgenommen wurde, zu spät! Jedoch nicht durch eigenes Verschulden, sondern durch den unglaublichen Verkehr in Cork: nahezu jeden Morgen gab es Staus auf dem Weg in die City und für meinen 20 minütigen Schulweg brauchte ich meist über 1 Stunde. Meine Verspätung wurde jedoch relativ locker gesehen und ich traf sogleich Victor, einen netten Spanier, der ebenfalls erst wenige Minuten vor mir angekommen war. Nach den Tests wurden wir unseren verschiedenen Kursen zugeteilt.

Die Nationalitäten in meinem Kurs waren bunt gemischt: Spanier, Italiener, Schweizer, Franzosen, Japaner.

Es wurde viel gelacht, diskutiert und es herrschte eine lockere Atmosphäre- man lernte Englisch fast wie nebenbei. Allerdings gab es fast jeden Tag Hausaufgaben und jeden Freitag wurde unser über die Woche angehäuftes Wissen durch einen Test überprüft.

Nach dem Unterricht ging ich entweder mit Freunden zum Lunch in einen Pub oder auf Entdeckungstour durch Cork. Neben der Kultur, bestehend aus der Besichtigung sämtlicher Attraktionen in Cork City, kam jedoch auch das Shopping nicht zu kurz; die großen Geschäfte (Dunnes Store, Rochers Store) waren dafür genauso geeignet wie die kleinen entlang der St. Patrick´s Street. Das Resultat daraus war, dass ich am Reiseende ernsthafte Zweifel hatte, ob mein Koffer noch unter der 20 KG-Grenze liegen würde.

Am späten Nachmittag fuhr ich wieder nach Hause, denn pünktlich um 18.00 Uhr servierte Rose Dinner. Im Gegensatz zu sämtlichen meiner Schulfreunde konnte ich mich über das Essen jedoch nicht beklagen, ich mochte es sogar sehr gern- obwohl man ehrlich sagen muss, dass das irische Essen teilweise sehr fettig, salzig und die Süßigkeiten sehr süß sind. Vielleicht hatte ich auch einfach Glück, dass ich Vegetarier war und Kartoffeln mochte...

Zum Nachtisch gab es meistens Schokoladenkekse, was mir auch wiederum sehr entsprach. Insgesamt wurde ich also regelrecht verwöhnt.

Am Wochenende unternahm ich Ganztagesausflüge:

Ich besichtigte Blarney Castle und küsste den berühmten Blarney Stone. Jeweils einen Tag verbrachte ich in Killarney ( Tip an alle Interessierte: Regenzeug nicht vergessen, laut der Iren regnet es dort IMMER- in meinem Fall kann ich das nur bewahrheiten) und in Kinsale, einer malerischen, kleinen Hafenstadt mit viel Kunstgewerbe und den Wehranlagen James Fort und Charles Fort. Ich fuhr nach Cobh und nach Midleton zur Old Midleton Distillery (Jameson Whiskey).

Abends traf ich mich mit Freunden im Pub (Old Oak ist der beste) und probierte Guinness, Murphy´s und Beamish.

Insgesamt verbrachte ich eine tolle Zeit in Cork, die viel zu schnell verging.

Ich lernte unheimlich schnell neue Freunde aus der ganzen Welt kennen ( von Chile bis Japan) und kam in den Genuss einer hierzulande kaum vorstellbaren Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Iren gegenüber Fremden. Ich fühlte mich immer willkommen und nie einsam, obwohl ich ja eigentlich allein reiste.

Ich bin nicht sicher, ob sich mein Englisch sehr durch die Reise verbesserte, denn wahrscheinlich war dafür die Aufenthaltsdauer zu kurz; allerdings verlor ich die Scheu vor der Sprache und gewann an Selbstsicherheit. Außerdem machte es mir großen Spaß, den ganzen Tag die fremde Sprache zu sprechen und nach ein paar Tagen fing ich tatsächlich an, in Englisch zu denken!

Eine tolle Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann!

Eine weitere Erfahrung, die ich machte, war, dass ein Regenschirm zu deinem besten Freund werden kann, womit sich das Klischee über konstant schlechtes Wetter in Irland bestätigte.

Ich wünsche jedem, der sich entschließt nach Cork zu reisen, eine ganz tolle Zeit und hoffe, dass er genau so viel Spass haben wird, wie ich hatte! Und vergesst die Regenschirme nicht!