Hans-Jörg Timmann

Ideal wäre natürlich ein mindestens halbjähriger Aufenthalt unter „Land und Leuten“, aber das ist für die wenigsten machbar. Die Alternative ist ein Sprachkurs, möglichst intensiv vor Ort. Also ins Internet geguckt, wo iSt-Sprach- und Studienreisen mit den schönen Orten Florenz und Elba auffallen.
Warum nicht noch einmal Elba, dachte ich, nachdem ich die Insel schon einmal auf einer 1-wöchigen Wandertour kennen und lieben gelernt hatte.
Dann die Wahl des Kurses: 50 plus schien mir besonders attraktiv. Selbst schon 60 wollte ich nicht unbedingt allein mit Schülern und Studenten zusammensitzen, die möglicherweise doppelt so schnell begreifen und das Gelernte wieder „ausspucken“, so dass man keine Chance hat, mitzuhalten.
Grosse Spannung: wer würde in fortgeschrittenem Alter ebenfalls noch mal die Schulbank drücken wollen?

Die auf eigene Faust organisierte Anreise aus der Schweiz war fast abenteuerlich: Abreise morgens um 7 Uhr in Zürich mit dem Zug (man kann auch fliegen) über Milano, Genua zum Fährhafen Piombino. Ich bekam schon früh Gelegenheit, meine vor über einem halben Jahrzehnt erworbenen Italienischkenntnisse anzuwenden und zu festigen: Ein folgenschwerer Irrtum liess mich in Milano in den Zug nach Genf einsteigen, der Fahrkartenkontrolleur, il conduttore, macht mich darauf aufmerksam. Aber sieht das nicht verdammt ähnlich:GENEVE oder GENOVA, noch dazu, wenn der Zug nach Genua zur gleichen Zeit abfährt, aber mit dem Ort SAVONA ausgeschildert ist?

Nach Ausstieg in der italienischen Provinz mit ihren vorsinntflutlichen Bahnhöfen und der Rückankunft in Milano kam ich mit Verspätung in Genua an, so dass der Anschlusszug schon abgefahren war und ich einen Regionalzug mit abermaligem Umsteigen in Livorno nehmen musste. Dort wieder Verspätung, aber eine Studentin aus Elba sorgte dafür, dass der Anschlusszug wartete. In Piombino bekam ich dann noch die letzte Fähre, ein herrlicher Sonnenuntergang entschädigte mich für alle Strapazen. Den sympathischen Aperitif zum Kennenlernen mit unserer netten Betreuerin Andrea hatte ich dann allerdings verpasst.
Aber das war kein Beinbruch, morgens beim Frühstück, in dem hübsch gelegenen Hotel Brigantino in Procchio wurde ich sofort herzlich in die Gruppe aufgenommen: ein älteres Paar aus Stockholm, 2 Damen sowie ein Schüler aus München, eine Schweizerin aus Zürich sowie eine „Wessie“ aus Ostdeutschland. 8 sympathische Personen an einem Tisch, die bis zum Schluss beim gemeinsamen Frühstück und Abendessen ihren Spass hatten, oft in italienisch, angeleitet und korrigiert von unserer „Professoressa“, wie wir sie nannten, Christiane aus Zürich. Sie war am weitesten fortgeschritten und nahm zur Perfektion Einzelunterricht.
Die relativ geringe Teilnehmerzahl spaltete sich nach dem Eingangstest am Sonntag noch einmal in Anfänger und Fortgeschrittene auf, so dass ich schliesslich mit 3 anderen „Kollegen“ in dem Fortgeschrittenen-Kurs sass. Wir hatten Glück: Nicoletta war eine sehr erfahrene und einfühlsame Lehrerin aus Elba, die mit viel Geduld versuchte, unsere letztlich doch sehr unterschiedlichen Vorkenntnisse unter einen Hut zu bekommen und mit geschickter Auswahl des Lehrstoffes für keinen langweilig auszubauen. Die Anfänger waren nicht immer ganz so glücklich, doch wer anschliessend wagte, sich zu beschweren, bekam dann auch eine Kompensation gewährt (!).

Die 2 Schulwochen, abgehalten im Aufenthaltsraum des Hotels, (also keine Schulbänke), waren auch in der Freizeit mit interessanten Angeboten versehen. Neben kleinen Ausflügen zum Kennenlernen der Insel sowie einem Vortrag über die Insel gab es gemeinsame Abendessen zum Kennenlernen der einheimischen Küche mit der Lehrerin, Besichtigungen der Villen von Napoleon, eine Bootsfahrt im Westen der Insel, einen Marktbesuch im Osten der Insel sowie eine recht üppige Weinprobe auf einer „Azienda Agricola“. Die sonstige Freizeit war angefüllt mit selbst organisierten Ausflügen – Eine(r) hat immer ein Auto dabei – Tennisspielen in der hoteleigenen Anlage oder einfach nur am schönen grossen Strand in der Sonne liegend und ab und zu das noch relativ kühle Nass geniessend.

Die Zeit verging viel zu schnell, und erst mit jedem Tag begann ich mich ein wenig wohler und freier zu fühlen in der fremden Sprache, unterstützt von dem liebenswerten Personal des Hotels im Restaurant und an der Bar. Unsere ‚Professoressa’ – mit langjähriger Kurserfahrung – meinte dann auch, dass wir eine aussergewöhnlich homogene Gruppe gewesen seien.
Ad repetitum – vielleicht!