Stefanie Herzig

 „Alle Straßen führen nach Rom.“ Dieses Sprichwort hört man immer wieder. Meine Faszination für diese Stadt begann recht früh, in der dritten Klasse. Die gesamte Stufe hat ein Projekt durchgeführt, mit dem Thema Rom. Ich war begeistert und wollte unbedingt hin. Meine Mutter hat mir ihr Versprechen gegeben mit mir dorthin zu fahren. Jahrelang passierte nichts, obwohl ich sie immer wieder daran erinnerte. Endlich, nach meinem Abi- also gut zehn Jahre später- packten wir die Sache an! Vier Tage Rom.

Aber  vier Tage reichten mir nicht, mir war klar ich muss wiederkommen. (Natürlich habe ich vorgesorgt und eine Münze in den Fontana di Trevi geworfen!) Eine Sprachreise reizte mich zudem auch, vor allem nach Italien, da ich der Sprache nur ein kleines bisschen mächtig war und sie gerne besser beherrschen wollte.

Eines Tages entschied ich mich dafür, und leitete alles in die Wege. Ich bin durch ein Reisebüro auf iSt aufmerksam geworden. Die Organisation handelte rasch und machte meinen Wunschtermin möglich.  Alles hat reibungslos geklappt, am 10.6. sollte es losgehen- ab nach Rom für drei Wochen!

Arrivederci Monaco! Arrivederci pioggia! Ci vediamo in tre settimane!

Und so geht es los. Mein Flug läuft wie geschmiert und auch der Transfer vom Flughafen zur Wohnung ist gut. Ich hatte mich entschieden eigenständig in einem Appartement mit anderen Studenten zu leben, ich wollte unabhängig sein von einem Familienleben. Natürlich bin ich sehr gespannt was mich erwartet, sowohl von den Räumlichkeiten als auch von meinen Mitbewohnern. 
Angekommen im Appartement werde ich willkommen geheißen von einer netten Dame, die mich in der Wohnung herumführt und mich gleich einer meiner Mitbewohnerinnen vorstellt. Es macht alles einen guten Eindruck. Nun steht mir mein erster Tag an der Schule bevor. Der Weg dorthin ist nicht ohne, morgens in einer fremden Stadt und dann auch noch pünktlich sein. Aber ich habe es geschafft und werde in der Schule freundlich empfangen. Zur Einstufung muss ich einen kleinen schriftlichen Test schreiben und anschließend noch kurz mit einer Lehrkraft ein bisschen plaudern. Früher fertig als erwartet kann ich mir noch meinen ersten Cappuccino in Rom gönnen, in der Cafeteria der Schule. Molto bueno!

In meiner ersten Stunde werden wir gleich zu Anfang in Paaren zusammengesetzt und wir sollen dem anderen, natürlich auf Italienisch, von unserem Heimatland berichten. Bei Fragen zu Vokabular stand die Lehrerin zur Verfügung, eine Italienerin wie sie im Bilderbuch zu finden ist. Anschließend hören wir uns einen Text an, immer wieder- damit wir immer mehr verstehen.
Nach der Schule gehe ich dann, wie es sich gehört für eine Frau, als erstes mit ein paar Mitschülerinnen zum Bummeln in die Via del Corso. Glücklicherweise kannte ich die Stadt schon, sonst wäre ich von ihrer Pracht und Vielfalt und Gegensätzlichkeit erschlagen worden.

Neben alten Ruinen stehen neue, pompöse  Häuser, neben der Dolce Vita herrscht ein fürchterlicher Lärm durch den nahezu mörderischen Verkehr. Die Straßen sind uneben und schmutzig und die Leute sind top hergerichtet und gehen stolz ihrer Wege. An manchen Stellen riecht es stark nach Urin und trotzdem hat die Stadt einen Flair den man nicht beschreiben kann. Und überall findet sich uralte Geschichte wieder, an jeder Stelle. Es gibt prunkvolle Brunnen und wundervolle Kirchen. Man kommt aus dem Schauen gar nicht mehr heraus.

Abends falle ich völlig erschöpft ins Bett, wir haben alle Wege zu Fuß bestritten, und das ist alleine  ein Spaziergang von 40 Minuten zur Schule!
Die Schule folgt am nächsten Tag demselben Muster, allerdings haben wir heute eine andere Lehrerin. Nach der Schule laufen wir nach Hause und ich halte meine erste Siesta! Unser Abendplan: Ausgehen, Essen, Rom bei Nacht entdecken. Wir entscheiden uns für den Campo dei Fiori. Dort ist es sehr schwer sich für ein Restaurant zu entscheiden, alle locken mit tollen Angeboten: hausgemachte Pasta, köstliche Pizza, guter Wein und das natürlich zu unschlagbaren Preisen. Letztendlich landen wir in irgendeinem. Aber es war eine gute Entscheidung, die Pasta war gut und für römische Verhältnisse recht preisgünstig. Für den Heimweg nehmen wir uns ein Taxi, ein weißes mit der Aufschrift „Commune di Roma“. Bei dieser Taxifahrt wird mir zum ersten Mal richtig bewusst:  Rom am Tag ist toll. Man findet viele Worte um es zu beschreiben. Rom bei Nacht ist schlicht und einfach unbeschreiblich, jedes Wort das einem im ersten Augenblick geeignet erscheint, trifft bei genauerem Nachdenken nicht einmal annähernd die Atmosphäre.

So vergehen die ersten Tage, relativ nach ähnlichem Schema. Am Wochenende nehme ich zum ersten Mal bei einem Ausflug der Schule teil, eine Führung auf der Appia Antica mit anschließendem Besuch der Catacombe S.Sebastiano. Die Führung wird von einer Lehrerin der Schule gehalten, auf Italienisch. Viel verstehe ich nicht, jedoch die groben Zusammenhänge. In den Katakomben werden wir von einem Fachmann geleitet. Hier dasselbe, alles in Italienisch, aber die alten Gräber sprechen fast für sich. 
Am Abend gehen wir zum ersten Mal aus, das Nachtleben Roms zu erkunden. Einfach ist es nicht wenn man einfach so drauf losgeht. Am Ende landen wir in einer Disco in der Via Monte di Testaccio, sozusagen DIE Partymeile Roms. Der Eintritt ist recht teuer, jedoch ist ein Getränk mit inbegriffen.
Am nächsten Tag gehen wir, mal wieder, shoppen. Jedoch ist das Besonderen daran nun dass Sonntag ist. In Italien haben nämlich die meisten Geschäfte auch sonntags geöffnet.

Die Woche drauf läuft ähnlich ab wie die erste. Morgens gehen wir zur Schule, trinken unseren wohlverdienten Cappuccino in der Cafeteria, dann haben wir Unterricht. Nach dem Unterricht gehen wir nach Hause, denn inzwischen ist es so heiß in Rom dass es kaum auszuhalten ist draußen. Da bekommt die Siesta eine völlig neue Bedeutung. Abends gehen wir meist irgendwo hin Essen, oder einen Wein trinken und die Stimmung der römischen Abende genießen. Dabei entdecken wir eine tolles Angebot, das viele Lokale in Rom haben. Zwischen 18 und 21 Uhr ist Aperativo. Das bedeutet man bestellt einen Drink und bekommt einen Teller dazu, mit dem man sich einmal an Buffet bedienen darf. Das ganze kostet zusammen ungefähr 10 Euro und ist somit sehr günstig.

Kurz vorm Wochenende frägt mich meine Lehrerin ob ich nicht vielleicht einen Kurs in einem höheren Level ausprobieren möchte. Was für eine Frage!

Am Wochenende fahren wir zum ersten Mal an den Strand. Man kann das Ticket der Metro auch für den Zug verwenden, so kostet die Fahrt nur 1,5€ und dauert eine halbe Stunde. Es war ein ganz wundervoller Tag.

Das Timing meiner Reise hätte nicht besser sein können, ich war genau zur Europameisterschaft in Rom. Die interessanten Spiele haben wir immer in einen authentischen Irish Pub gesehen, und es ist wirklich ein Erlebnis die Italiener zu sehen, wie sie ihre Hymne singen. Feiern ist wohl das treffendere Wort. Einzig als die Deutschen gegen die Italiener verloren haben, konnte ich es nicht genießen. 
Die letzte Woche hab ich noch mit ein bisschen Kultur vollgepackt und hab mir noch einmal den Palatino angeschaut. Es ist so faszinierend was die Menschen damals schon geschaffen haben! Als Kontrastprogramm haben wir das Monumento Vittoria Emmanuele II betreten, ein eindrucksvolles Gebäude direkt im Zentrum von Rom. Hier spiegeln sich perfekt die unterschiedlichen Gesichter Roms wieder. Der weiße, prunkvolle Palast direkt neben den rötlichen Ruinen der alten Römer.

Mein letzter  Schultag in Rom ist in Italien ein Feiertag, d.h. an diesem Tag haben wir keine Schule und noch einmal die Gelegenheit an den Strand zu fahren. Wir genießen den Sand unter den Füßen und die Sonne auf unserem Bauch. Auch das Meer ist herrlich. Am meisten schätzen wir die kühle Brise die an der Küste weht. Ein perfekter Ausgleich zum heißen, stickigen Stadtleben.

Abends essen wir noch einmal auswärts, am Campo dei Fiori, und diesmal steuern wir gezielt ein Lokal an, das Mercato, da wir dort zuvor schon sehr guten Strawberry Mojito getrunken haben. Übrigens kann man auch dort vom Buffet essen, man muss nicht einmal etwas zusätzlich zum Cocktail zahlen.
So enden drei fabelhafte Wochen, meiner Meinung nach viel zu schnell. Die Zeit in der Schule hat mir viel gebracht, ich konnte mein Italienisch gut auffrischen. Zudem habe ich wundervolle Menschen kennengelernt, die meinen Aufenthalt unvergesslich machen. Und ich habe endlich Rom erlebt.  

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