Alois Mueller

Schon mal vorneweg: Zwei Wochen Sprachkurs waren eindeutig zu wenig, um diesen Erfahrungsbericht in italienischer Sprache zu schreiben, das tut mir leid. Aber da hätte ich wohl auch deutlich zu viel erwartet, da ich doch nur zwei Semester Italienisch an der VHS als Vorkenntnisse mitbrachte.

Aber der Reihe nach. Meine An- und Rückreise mit dem Pkw über 900 km verlief zum Glück problemlos. Nahezu reine Autobahn-Route, auch in Italien ist alles so ausgeschildert, dass man die richtige Autobahn leicht findet. Und San Bartolomeo al Mare hat sogar eine eigene Autobahnanschlussstelle. Mein Hotel, das „Bellavista“, war von der Sprachschule ausgewählt worden und bot mir für zwei Wochen eine ganz wunderbare Unterkunft in einem kleinen, aber dennoch feinen Einzelzimmer mit Balkönchen und Blick über Pool, Palmen und Orangenbäume. Das Abendmenü bot alle Feinheiten der italienischen Küche, so dass ich nach zwei Wochen nicht unbedingt an Gewicht verloren hatte. Auch das Personal von der Chefin bis zum Kellner war stets sehr um das Wohl des Gastes bemüht, die Rezeptionistin Barbara kann auch sehr gut Englisch und Deutsch. Alles also optimal. Ach ja, zum Strand waren es doch ein paar Hundert Meter, genauso wie zur Schule. Aber dafür gab’s Ruhe und deutlich weniger Abgase. Die Bezahlung des Hotels und der Schule mit dem Voucher von iST war sowieso kein Problem.

Zur Schule. Sie ist, das konnte man auch schon bei den Vorerkundungen herausfinden, Teil eines Reisebüros. Die Leitung haben Laura und Carlo, unterstützt werden sie beim Unterrichten und Betreuen der Lehrgangsteilnehmer von weiteren Mitarbeitern. Wenn ein Deutscher „Schule“ hört, hat er natürlich ganz bestimmte Vorstellungen – und ist dann überrascht, mit welch minimalistischer Ausstattung man doch wertvollen Unterricht gestalten kann. Da braucht man nur wenig dazu – vor allem aber Lehrkräfte, die mit Fantasie, mit Witz, mit Einfühlungsvermögen und Kreativität an den Unterricht herangehen. Laura und Carlo sowie ihre Mitarbeiter gehen ständig auf die Vorkenntnisse und die Wünsche der Lehrgangsteilnehmer ein. Aufkommende Fragen werden bearbeitet, auf die Wünsche der Studenten wird sofort reagiert. Man legt großen Wert auf einsprachigen Unterricht, doch für den Notfall beherrschen die Dozenten auch weitere Sprachen wie Deutsch, Französisch, Spanisch und Englisch. Die Lerngruppen sind klein, ich konnte in einer Gruppe mit drei bzw. zwei Teilnehmern lernen. Das ist sprachlich sehr intensiv, nach vier Stunden am Vormittag hat jeder genügend Material zum stundenlangen häuslichen Nachstudium. Mir hat der Unterricht sehr gut gefallen. Dazu kamen dann noch die nachmittäglichen Führungen zu den Attraktionen der Umgebung oder die Zubereitung und das Verzehren einer typischen Abendmahlzeit – alles professionell durchgeführt und gleichzeitig liebevoll übermittelt.

Der Ort – San Bartolomeo al Mare. Einer der vielen Badeorte an der ligurischen Küste. Sein Ambiente ist Geschmackssache. Aber zusammen mit den Ortschaften und Möglichkeiten in seiner unmittelbaren Nachbarschaft bis hin nach Sanremo, bietet der recht junge Ort alles, was man zum Erlernen oder Praktizieren einer Sprache braucht. Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Busfahrten – täglich unendlich viele Möglichkeiten zum Sprechen. Menschen gibt’s dort natürlich auch, manchmal sogar sehr viele, die meisten sind Italiener. Und die freuen sich immer, wenn man versucht, mit ihnen über irgendetwas zu reden.

Was man nicht erwarten darf? Die Teilnehmer der Schule sind, meiner Erfahrung nach, sehr aufgeschlossene Menschen. Aber es sind eben immer nur ganz wenige, meistens auch gesetzteren Alters. Man wird dort keine großen Gruppen zum Auswählen der Anschluss-Partner vorfinden. Schon möglich, dass jemand, der seine Zeit nicht alleine verbringen möchte oder kann, Schwierigkeiten mit der Situation bekommt. Mir kam das sehr entgegen, da ich gerne für mich alleine bin. Ich habe diese beiden Wochen nicht nur beim Lernen der Sprache genossen, sondern auch beim Alleinsein, beim Abschalten, beim Herumlaufen und Besichtigen, beim Schwimmen, Joggen und Sonnenbaden, beim Betrachten der so völlig anderen Natur. Ich habe mich ganz nebenbei sehr gut erholt.

Übrigens: Ich bin jetzt 60 Jahre alt, unterrichte selbst und habe auch schon einen zweiwöchigen Fortbildungssprachkurs in England besucht. Auch dort hat es mir gut gefallen.

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