Simone Schmidt

Endlich war es so weit mein 18. Geburtstag. Aber wir feierten nicht nur meine Volljährigkeit, sondern auch meinen Abschied: Nur 2 Wochen später flog ich nach Calgary/ Kanada, um dort einen Langzeitsprachkurs über 3 Monate zu machen.

Seit jeher interessiere ich mich sehr für Sprachen, und vor allem die englische Sprache fasziniert mich sehr. Nach 7½ Jahren theoretischen Englischunterricht auf dem Gymnasium, fand ich, war die Zeit gekommen das Erlernte auch einmal anzuwenden und es hätte wirklich nicht besser laufen können: Nur ca. 5 Wochen nach meiner Anmeldung bei iSt war es mir tatsächlich möglich ins atemberaubende Kanada zu fliegen, um dort mein Englisch zu erproben und deutlich zu verbessern.

Die Reise war lang nach einem ganzen Tag im Flugzeug und auf den Flughäfen in München und Toronto hatte ich endlich mein Ziel erreicht: Calgary. Eine schöne, freundliche Stadt mit einer wunderschönen Skyline, nur eine Stunde von den Rocky Mountains im Westen Kanadas gelegen. Schnell war klar, dass sich diese lange Reise auf alle Fälle gelohnt hatte.

Am Flughafen in Calgary wurde ich direkt von meiner Gastmutter Janice empfangen. Sie fuhr uns nach Hause und somit war der erste Tag auch schon vorüber, denn als wir endgültig zu Hause ankamen, war es schon Mitternacht in Calgary was bedeutete, dass es in Deutschland mittlerweile schon 8Uhr morgens war. Ich rief nur noch kurz meine Familie an um ihnen Bescheid zu geben, dass ich wohlbehalten angekommen war, bevor ich todmüde ins Bett fiel.

Den nächsten Tag ließ ich ruhig angehen. Aber der darauf folgende Tag sollte schon mein erster Schultag sein. Die Schule war mit das Spannendste am ganzen Aufenthalt. Glücklicherweise lag sie nur 15 Minuten zu Fuß von meinem vorübergehenden Zu Hause. Ich bin immer gerne zur Schule gegangen, denn das Klima war sehr entspannt und die Lehrer offen und sehr, sehr freundlich. Es herrschte kein typisches Lehrer-Schüler-Verhältnis; alles war viel angenehmer und lustiger. Der Unterricht bestand nicht nur aus sturem Büffeln aus den Schulbüchern (obwohl das natürlich auch dazu gehörte), sondern auch aus vielen Konversationen und Diskussionen, die immer sehr interessant waren durch die multikulturellen Klassenverbände. Es war wirklich ein einzigartiges Erlebnis so viele Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt kennenzulernen.

An meinem ersten Schultag wurde durch einen kurzen schriftlichen und einen kurzen mündlichen Test mein Englischniveau ermittelt. Demnach wurde ich in Level 8 von 10 eingestuft. Da ich mitten in der Session kam, konnte ich schon in der nächsten Woche mit meinen Klassenkameraden aus Level 8 in Level 9 aufsteigen. Jede Session und jedes Level (abgesehen von Level 10) dauerte ca. einen Monat. So machte ich die letzte Woche des 8. Levels, Level 9, Level 10.1 und Level 10.2 (bis auf die letzte Woche) in den 3 Monaten. Die Lehrer wechselten jede Session, was mir ganz gut gefiel. So konnte man von verschieden Lehren lernen, die natürlich alle ihre etwas unterschiedlichen Methoden hatten, und jeder Schüler kam auf seine Kosten.

Mein Schultag begann täglich (Montag-Freitag) um 9Uhr und endete um 13.10Uhr. Zwischendurch hatten wir immer eine halbe Stunde Pause, in der man sich meist mit anderen Schülern, auch aus anderen Levels, unterhielt, zusammen einen Kaffee trinken ging oder zusammen rauchte. Es war wirklich nicht schwer Anschluss zu finden, denn alle in der Schule waren in der gleichen Situation; Sie waren aufgeschlossen und freuten sich neue Leute kennen zu lernen. Ich habe heute noch Kontakt zu einem Freund aus Taiwan, den ich dort kennen lernte, einem lieben Mädchen und einem Kollegen aus der Schweiz, einem Mädchen aus Deutschland und noch einem weiteren Mädchen aus Taiwan.

Nachmittags oder abends bietete die Schule oft gemeinsame Aktivitäten an, wie zum Beispiel: Go Kart Fahren, Barbesuche, Besuch eines Rodeos, Kino oder Theater, usw. Am allerbesten jedoch waren die Wochenendtrips. Dann fuhren wir mit einem gemieteten Bus zu Sehenswürdigkeiten, die etwas weiter außerhalb von Calgary waren. Auf diese Weise konnten wir noch etwas mehr von Alberta (so heißt die Provinz) sehen, als nur Calgary.

Meine Gastfamilie war so nett und zeigte mir noch weitere Sehenswürdigkeiten in und um Calgary herum. Ich hatte wirklich großes Glück mit meiner Familie. Janice und ihre bereits erwachsene Tochter Jennifer waren immer sehr freundlich zu mir und gaben mir das Gefühl teil von ihnen zu sein und nicht nur irgendein Sprachschüler, der bald wieder nach Hause zurück gehen würde.

Der Abschied fiel mir ziemlich schwer, denn ich hatte eine rundum wundervolle Zeit gehabt. Ich habe sehr interessante Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt, habe viel Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl geschöpft, habe eine zweite Familie gefunden (die ich nächstes Jahr privat besuchen werde) und viel, viel mehr als nur Englisch gelernt.

Ich kann so eine Langzeitsprachreise wie ich sie gemacht habe, wirklich jedem nur wärmstens empfehlen, denn die Eindrücke, die sie dort sammeln werden, sind einfach einmalig und unvergesslich. Dabei kommt es auch weder auf das Alter noch auf das Englischniveau an in unserer Schulen waren durchaus einige Damen und Herren um die 40 Jahre alt und sie haben genauso gut Anschluss gefunden wie jeder andere auch. Und für diejenigen, die der englischen Sprache noch gar nicht mächtig waren oder kaum wurden Level 1 & 2 in der Schule unterrichtet. Für Level 1 braucht man keinerlei Vorwissen.