Julia Seiler

Nachdem ich schon eine fünfwöchige Sprachreise nach Vancouver unternommen und dabei die für mich schönste Stadt der Welt kennen gelernt hatte, entschloss ich mich im Februar sehr spontan für 3 Wochen nach Montreal zu fliegen, um mein eingerostetes Schulfranzösisch aufzufrischen. Da ich durch meine Sprachreise nach Vancouver schon wusste, was auf mich zukam, ließ ich mich auch nicht davon abschrecken, dass es schon eine Woche nach meiner Buchung losgehen sollte. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch mal bei iSt bedanken, die innerhalb einer Woche meine Sprachreise ohne Probleme organisiert haben.

Also hieß es für mich dann ein zweites Mal: Kanada, ich komme!! Wie auch in Vancouver, hatte ich mich auch diesmal für eine Gastfamilie entschieden. Meine Gastfamilie war eine allein stehende Frau Mitte 50, die eigentlich aus Südamerika kam und französisch mit spanischem Akzent sprach. Außerdem hatte sie das typische südamerikanische Talent und war immer sehr besorgt, ob ich mich denn auch alleine in Montréal zurecht finde.

Da es die Sprachschule (Language Studies Canada, kurz LSC) auch in Vancouver gibt, kannte ich den Ablauf des ersten Schultages schon und konnte diesmal entspannter in meinen Sprachaufenthalt starten. Nach dem Einstufungstest (schriftlicher und mündlicher Teil) hatten wir noch eine Info-Session, um letzte Fragen zur Unterkunft und Schule zu klären und eine kleine Stadtführung, damit wir wussten, wo man das nötigste findet. Der Unterricht ist sehr vielseitig und ganz anders als der Unterricht, den ich aus der Schule kannte. Durch die interessante Themenwahl wird es nie langweilig und jeder kann etwas zum Unterricht beitragen. Außerdem lernt man im Unterricht auch viel über die Länder seiner Mitschüler, da die Themen oft zu offenen Diskussionen führen, in denen jeder etwas aus seinem Land erzählt.

Ich hatte mich für den Standardkurs entschieden, d.h. Unterricht von 9.00 – 13.00 Uhr, hatte also am Nachmittag immer Zeit, um die Stadt zu erkunden. Die Schule liegt sehr günstig im Stadtzentrum nahe der Métro, also ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungstouren.
Montreal ist sehr vielseitig, jedes Quartier hat seinen eigenen Charakter.

Die Rue St. Catherine ist die Einkaufsstraße in der Centre Ville, wie downtown in Montreal genannt wird, und immer voll mit Menschen und hektisch.

Vieux Montreal ist die Altstadt. Sehr touristisch, aber auch sehr schön.

Unsere Lehrerin sagte einmal, dass die Rue St. Catherine und Vieux Montreal nicht das „wahre Montreal“ seien. Rue St. Catherine sei zu amerikanisch und Vieux Montreal zu touristisch. Sie gab uns den Tipp, ins Quartier Latin und das Quartier Mont Royal zu gehen. Also machte ich mich auf ins Quartier Latin, das „Studentenviertel“. Es ist sehr jung, lebhaft und vielseitig. Es gibt viele unterschiedliche Restaurants, von vegetarisch über asiatisch bis hin zu afrikanisch, arabisch oder einfach nur McDonalds. Genauso sieht’s mit den Läden aus: neuste Trends, leider auch nicht gerade billig, oder kleine Läden, die „Katmandu“ oder „Nepal“ heißen und die entsprechende asiatische Kleidung anbieten.

Das Quartier Mont Royal ist ruhiger und meiner Meinung nach etwas europäischer. Es macht einfach nur Spaß die Straße auf und ab zu gehen und zu bummeln. Hier findet man auch Bäckereien und Cafés wie man sie aus Europa kennt und wenn man schon mal im Quartier Mont Royal ist, sollte man auch gleich den Bus auf den Berg, Mont Royal, nehmen. Von dort hat man eine super Aussicht auf Centre Ville und die Hochhäuser scheinen zum Greifen nah.

Wer shoppen gehen möchte, sollte zuerst ins Eaton Centre und von dort aus in die Underground City. Aber nehmt euch einen Plan mit! Es ist riesig und es gibt viele Eingänge durch andere Einkaufszentren, einzelne Läden auf der Straße und Métrostationen. Außerdem ist die Underground-City sehr praktisch für Regentage: man läuft einfach von der Schule 2 min. bis zur nächsten Métrostation, steigt 2 Stationen weiter wieder aus und befindet sich im Einkaufszentrum, wo man ruhig mal ein bis zwei Regentage verbummeln kann. Ach ja, eine kleine Schlittschuhbahn gibt es dort auch….

Natürlich war ich nicht 3 Wochen lang nur im Einkaufszentrum oder auf Sightseeing-Trips. Dafür hat unser activity coordinator, Emanuel, gesorgt. Er weiß, wo was los ist, organisiert Schulaktivitäten und begleitet die Schüler auch auf den Ausflügen. Am ersten Schultag bekommt jeder Schüler einen Plan, auf dem die Veranstaltungen der nächsten Wochen vermerkt sind. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig, aber ich würde jedem raten mitzumachen. Wir hatten immer sehr viel Spaß und man lernt jedes Mal neue Leute kennen. Außerdem ist für jeden was dabei: Museumsbesuche, Wochenendausflüge nach Quebec oder auch mal nach Toronto oder New York, oder einfach nur eine Partynacht im Pub oder einem angesagtem Nightclub. Während der Eishockey Saison geht’s dann auch regelmäßig zu Matches im Bell Centre. Ich war zum Beispiel Ski laufen am Mt. Orford, auf Parties zum St. Patrick’s Day und der St. Patrick’s Day Parade. Die Organisation war immer super und Emanuels gute Laune ist jedes Mal ansteckend.

Neben dem Ski fahren am Mt Orford war der St. Patrick’s Day eines meiner Highlights in Montreal. St. Patrick’s Day war am Freitag, den 17.3, aber eigentlich war die ganze Stadt von Freitag bis Sonntag in einer Art Ausnahmezustand. Die Irish Pubs sind überfüllt, die Leute noch besser gelaunt und freundlicher als sie sonst schon sind und fast jeder trägt irgendetwas in grün mit einem Irland bzw. St. Patrick’s Aufdruck. Die Party endete dann am Sonntag mit der St. Patrick’s Day Parade auf der Rue St. Catherine und anschließenden Parties in den Irish Pubs. An diesem Wochenende konnte ich mein Französisch zwar nicht üben, aber dafür mein Englisch.

Das ist der einzige Nachteil: ich musste mich besonders am Anfang dazu zwingen, in Geschäften und außerhalb des Unterrichts französisch zu reden und nicht englisch. Die Gastfamilien leben immer in englisch- bzw. französischsprachigen Vierteln und man muss die Sprache sprechen, die man lernen möchte. Aber in Geschäften und anderen öffentlichen Einrichtungen können die Leute beide Sprachen und ich wurde öfters mal dazu verleitet, ins Englische zu wechseln, weil es einfacher für mich war. Aber als ich nach ein paar Tagen die ersten Fortschritte erkennen konnte und auch die Konversationen mit meiner Gastmutter immer besser und flüssiger wurden, traute ich mich auch mein Mittagessen auf französisch zu bestellen oder mit Leuten auf der Straße französisch zu sprechen - wenn sie denn französisch konnten. Man darf nicht denken, dass in Montreal jeder englisch UND französisch spricht. Viele Leute sprechen nur eine Sprache und viele, die beide beherrschen, haben bei einer der beiden auch noch Schwierigkeiten oder einen starken Akzent. Diese Zweisprachigkeit und das Wechseln zwischen den Sprachen war vor allem am Anfang sehr anstrengend für mich und ich habe oft Wörter verwechselt, aber nach ein paar Tagen ließ das auch nach und ich konnte problemlos zwischen Englisch und Französisch wechseln.

Zum Schluss kann ich nur noch sagen, dass ich Montreal (und natürlich auch Vancouver) in bester Erinnerung behalten werde, und dass die beiden Sprachaufenthalte in Kanada zu den besten Wochen meines Lebens gehören. Die Städte sind sehr unterschiedlich, liegen aber auf meiner Städteliste beide auf Platz 1.Die Menschen sind unkompliziert, immer freundlich und hilfsbereit. Ich habe in beiden Städten nie Probleme gehabt, wenn ich mich verlaufen oder sonstige Fragen hatte. Für mich ist ein Sprachaufenthalt die perfekte Möglichkeit, Land und Leute richtig kennen zu lernen und ganz nebenbei noch Freunde aus aller Welt zu finden. Ich kann es jedem nur empfehlen, einfach mal die Koffer zu packen und eine Sprachreise zu machen.

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