Sonja Fusshoeller

Da gibt es viele Dinge!

Nach langer Überlegung hatte ich mich entschieden im Juni einen vierwöchigen Sprachaufenthalt in Montréal zu machen. 
Es hatten mich einige Beweggründe dazu gebracht: Ich wollte eine neue Erfahrung im Ausland machen, selbstständig auf den Beinen stehen, natürlich die englische und französische Sprache erlernen. Zuletzt wollte ich Freunde meiner Mutter besuchen, die in Laval (40 Minuten von Montréal entfernt) wohnen.

Montréal sollte es sein, da ich vor sechs Jahren innerhalb einer Kanada-Rundreise schon einen Tag in Montréal erlebt habe und die Stadt als interessant und multikulturell in Erinnerung hatte.

Ende Mai war es nun soweit. Nach einem langen Flug über London hatte ich mein 
Ziel erreicht: Montréal, Flughafen Trudeau.
Mit dem Taxi fuhr ich zum Hotel du Parc, wo ich nun vier Wochen leben würde.

Unterkunft:
Es gibt mehrere Möglichkeiten in Montréal, für die Dauer des Sprachaufenthaltes, zu wohnen: Die erste Möglichkeit ist die host family (Gastfamilie), die zweite Möglichkeit ist eine Studentenresidenz oder das Hotel du Parc. Jede Möglichkeit hat seine Vor- und Nachteile. Ich habe mich für das Hotel entschieden, da ich gerne unabhängig bin. Bei der host family kann man natürlich seine Sprachkenntnisse nach der Schule weiter anwenden, ist aber auch z. B. an Essenszeiten gebunden. Manchmal wohnen gleichzeitig mehrere Gaststudenten bei der Gastfamilie und man teilt sich mit den anderen Familienmitgliedern Küche und Bad.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Hotel du Parc circa 25 Minuten von downtown (Innenstadt) und der Schule entfernt. Das Hotel liegt direkt am schönen Mont Royal Parc. Mit seinen langen Wanderwegen, seinen Sehenswürdigkeiten wie dem La Croix und seinen herrlichen grünen Wiesen, lädt der Park zum Spazieren, Radfahren und Relaxen ein. 
Weiterhin gibt es Geschäfte, Bars, Clubs und Supermärkte in unmittelbarer Nähe des Hotels. Die Zimmer besitzen eine relativ einfache aber ausreichende Ausstattung. Eigenes Bad, TV, Telefon und Kühlschrank sind vorhanden. Weiterhin gibt es im Hotel eine Küche und eine Laundry (Waschmaschine und Trockner) die alle Hotelgäste kostenlos nutzen können. Ein Safe kann ebenfalls kostenlos gemietet werden.

Schule:
Die Schule LSC (Language Studies Canada) hat neben Montréal noch drei weitere Zweigstellen in Kanada: Vancouver, Toronto und Calgary. Sie befindet sich an einer Hauptgeschäftsstraße in Downtown, Restaurants, Clubs, Shoppingsmalls (insbesondere das Underground Shoppingparadies Eaton, etc.), Parks, Drogerien, Métrostationen sind keine fünf Minuten von dem Schulkomplex entfernt. Innerhalb des Schulkomplexes befinden sich weitere Büros, Restaurants, Cafés und Geschäfte. Verhungern wird man sicherlich nicht. Und langweilig wird dem Montréal-Besucher auch nicht!
Montréal bietet für jeden Geschmack etwas und jeder wird auf die eine oder andere Art fündig.

Am ersten Tag wurden die Studenten nach einem mündlichen und schriftlichen Test in verschiedene Levels eingeteilt. Die Levels für Englisch gehen von 1 bis 10 (wobei 10 das höchste Sprachniveau ist). Die Levels für Französisch gehen von 1 bis 7 
(wobei 7 das höchste Sprachniveau ist).
Nach einer Informationsstunde und einem Rundgang rund um die Schule gehen die Nachmittagskurse los. Es werden verschiedene Kursarten für Englisch und Französisch angeboten. Ich hatte mich für den Intensivkurs Englisch entschieden, somit hatte ich jeden Tag von 9.00 Uhr bis 16.45 Uhr, mit Frühstückspausen und einer Stunde Mittagspause, Unterricht.
Am Freitag endet die Schule aber bereits um 13.10 Uhr. Das war natürlich toll, somit konnte ich mit meinen neuen Freunden schon früh ins Wochenende starten.

Neue Leute zu finden ist relativ einfach.
Die Studenten haben die verschiedensten Nationalitäten, neben vielen Europäern, waren sehr viele junge Leute aus Asien und Südamerika da. Aber die erfrischende Mischung der verschiedenen Kulturen fand ich persönlich sehr angenehm und interessant.
Der Unterricht wurde durchweg sehr ansprechend und lehrreich gestaltet.
Die relativ jungen Lehrer sind gut geschult und bringen durch ihre positive Art Schwung in den Unterricht, so dass die Studenten motiviert an die Sache rangehen.

Das ausgehändigte Lehrmaterial war hilfreich. Jeden Tag mussten Hausaufgaben erledigt werden, deren Quantität aber zu verkraften war. Die Unterrichtsinhalte waren abwechslungsreich, von Grammatik, Rollenspielen, Konversation und Spielen ist alles dabei. Natürlich alles nur in der gewählten Sprache!
Die Teilnehmeranzahl varrierte zwischen vier und vierzehn Studenten. Die Klassenräume sind hell, sauber und mit Klimaanlage und Heizung ausgestattet.
Nach der Schule ab 17 Uhr durften alle Studenten kostenlos das Internet benutzen. 20 Computer standen hierfür zur Verfügung. Das war natürlich eine tolle Möglichkeit, daheim allen Freunden und der Familie kurz mitzuteilen, dass es einem gut geht.

Ein Activity-Animateur ist für die Ausflüge zuständig. Jeden Tag konnte man, wenn man wollte, an den verschiedensten Aktivitäten teilnehmen, z.B. mehrtägige Ausflüge nach Québec, Toronto (Ausflüge sind fakultativ), abendliche Besuche der Nightclubs (man muss mindestens 18 Jahre alt sein), Gokart, Bowling, Besuch des Biodrômes, usw.
Die Aktivitäten sind eine gute Gelegenheit die anderen Studenten kennen zu lernen. Wir besuchten viele Nightclubs, u.a. das Altitude 737. Dort tanzten wir ausgelassen auf der Dachterrasse im 43. Stockwerk bis in die frühen Morgenstunden.
Mit Montréal zu unseren Füßen...

Montreal und Umgebung:
Die vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt sind sehr interessant – für jeden ist etwas dabei: View Montréal, die Altstadt vereint kanadischen Lebensstil mit französischem Flair. Das Hotel de Ville, die Markthallen, der Place Jacques Cartier sind nur eine Auswahl an sehenswerten Gebäuden. Am Hafen kann man gemütlich auf der Promenade flanieren. Im Sommer laden verschiedene Stände, u.a. mit Büchern, Accessoires, etc. zum nächtlichen Shoppen ein.

Sowieso ist in Montréal das ganze Jahr über etwas los. Das Jazz-Festival im Juli ist besonders zu empfehlen. In der ganzen Stadt geben Jazzmusiker und Bands in Bars und Nightclubs und auf öffentlichen Plätzen kostenlose Konzerte. Dann beginnt ab Ende Juni die Feuerwerk-Saison. Verschiedene Komitees der unterschiedlichsten Länder machen eine Competition, d.h. jede Woche mittwochs und samstags veranstaltet ein anderes Land ein großes Feuerwerk. Vom Hafen und von der Île Notre Dame hat man den besten Ausblick auf das Spektakel. Am Ende wurde das „Siegerland“ gekürt.

Montréal ist eine grüne Stadt – überall laden Grünflächen und schöne Parks zum Verweilen und Spazieren ein. Besonders der Mont Royal Parc ist immer einen Besuch wert. Jeden Sonntag findet bei schönem Wetter das Tam Tam Festival statt. Dann finden sich eine Vielzahl von Menschen mit Bongo-Trommeln, rund um das Denkmal Étienne de Cartier, ein und machen Musik. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und spätestens nach ein paar Minuten tanzt man mit Begeisterung zu den Trommelklängen.

Am zweiten Juniwochenende fand die Formel 1 in Montréal statt. Die Rennstrecke befindet sich auf der Insel Île Notre Dame. In der ganzen Stadt wimmelte es von Fans in roter Kleidung (Ferrari). Für dieses spektakuläre Event wurden einzelne Straßenzüge in downtown komplett gesperrt.

Um unseren Bedarf an Kultur zu decken, besuchten wir das Museum Beaux-Arts. 
Da das Wetter manchmal extrem warm war und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte, war der Besuch im klimatisierten Museum eine gute Idee. Es gibt natürlich eine Vielzahl an guten Museen (Völkerkundemuseum, usw.). Eines sollte man auf jeden Fall besuchen.
Danach haben wir den Botanischen Garten besucht. Dort kann man mit einer kleinen Lokomotive durch den ganzen Komplex fahren und an verschiedenen Punkten aussteigen. Die vielen Blumenarten und die verschiedenen kulturellen Themengebiete, u.a. der Chinesische Garten waren sehr interessant.

In der Nähe befindet sich das Olympische Stadion, in dem 1976 die olympischen Spiele ausgetragen wurden. Das Stadium wurde für diesen Anlass extra gebaut.

Weiterhin haben wir die Nachbarinsel Île Saint-Hélène besucht. Mit der Métro ist sie leicht zu erreichen. Dort gibt es u.a. einen Strand, der leider erst Ende Juni öffnete.

Das Casino von Montréal ist auch einen Besuch wert. Der Ausflug dorthin wurde von der Schule angeboten. Das Casino liegt auf der Île Notre Dame und bietet dem Spielerherz eine Vielzahl von Möglichkeiten sein Geld loszuwerden. Mancher Glückspilz gewinnt natürlich auch. Ich nicht – ich habe einen Dollar verspielt! Aber dafür habe ich fast jeden Tag einen Cent gefunden. Das reichte mir schon, weil das soll angeblich Glück bringen. Auf mehreren Etagen stehen Spieltische, an denen man sein Glück mit Black Jack, Poker und Rolette versuchen kann, ganz zu Schweigen von den unzähligen einarmigen Banditen.

Einmal sind wir alle schön essen gegangen. Denn als Hotelgast muss man sich selbst verpflegen. Nach unzähligen Joghurts, Salaten, Obst, Schokolade, Muffins, etc. hatten wir mal Lust auf ein richtig gutes Stück Fleisch. Nach langer Überlegung hatten wir uns für ein deutsches Restaurant „Berlin“ entschieden. Montréal bietet eine riesige Auswahl an guten Restaurant aller Nationalitäten. Wir wollten aber ein kleines Stückchen Heimat! Das Restaurant war sehr nett und das Essen war vorzüglich (Wiener Schnitzel, Rotkohl und Bratkartoffeln).

Die vielen verschiedenen Ausflugsziele reizen sehr. Québec (eine zauberhafte Stadt mit französischem Flair), Sherbrooke, Toronto sind mit dem Auto oder dem Bus in ein paar Stunden zu erreichen. Die Niagara Falls, an dem kleinen Städtchen Niagara on the Lake sollte man auf jeden Fall erleben! Besonders bei Nacht sind die Wasserfälle in bunten Farben illuminiert. Man fährt mit einem kleinen Boot (Maid of the Mist) direkt an die Wasserfälle und kann nur staunen, bei den riesigen Wassermassen. Von der amerikanischen Seite kann man die Wasserfälle auch bewundern.

Die Universität Mc Gill bietet mit seinen 60 Gebäuden und einem großen Park Platz für über 30.000 Studenten.

Am letzten Tag haben wir den Nationalpark Mont Tremblant in den Laurentides besucht. Laurentides ist eine Bergkette mit kleinen Dörfchen und dem nahegelegen Nationalpark. Eine verzauberte Welt von traumhaften Landschaften - Ruhe, Tiere, Wasserfälle und üppige Vegetation erwarten den Besucher. Wenn man auf den endlosen Straßen entlang fährt, denkt man Kanada hört nie mehr auf. Einfach faszinierend!

Als der letzte Tag gekommen war, habe ich Montréal mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Ich war froh nach vier Wochen meine Familie und meine Freunde wiederzusehen und gleichzeitig traurig, dass die schöne, abwechslungsreiche und aufregende Zeit schon zu Ende war.

Montréal ich komme wieder! Nach Kanada auf jeden Fall, denn dieses Land (das zweitgrößte nach Russland) ist einfach unglaublich, aufregend und interessant. Mit einem Wort: Amazing!

Weitere Erfahrungsberichte aus Montreal