Eva-Maria Boger

…mit diesem Satz begrüßte mich meine “land lady” herzlich, als ich am Samstagabend tropfnass und voller Erwartungen bei ihr angekommen bin. Sie zeigte mir gleich mein sehr geräumiges und geschmackvoll eingerichtetes Reich. „Ich habe dir gleich zwei Decken überzogen und die Heizung eingeschaltet, damit du heute Nacht nicht frieren musst“ meinte sie fürsorglich. Vom Nebenraum hörte ich eine energievolle Stimme immer wieder „Pronto, Pronto“ sagen. Ich dachte mir nur: „Pronto?“, benutzen die Schotten dieses Wort auch? Doch die Überlegungen lösten sich in Luft aus, als plötzlich eine kleine Italienerin vor mir stand: „Hello, I´m Martina. I´m from Italy.“ Kurz darauf tippste ein sehr zurückhaltender Japaner herbei. Zur Klimatisierung hatte sie mir eine sehr leckere, selbst gemachte (was in Schottland nicht üblich ist) Tomatensuppe vorbereitet. So beschnupperten sich vier verschiedene Nationalitäten an einem Tisch, schmiegten Pläne für die bevorstehenden zwei Wochen und erzählten sich den einen oder anderen Schwank aus seinem Leben.

Nach einem „continental breakfast“ machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg das „Royal Museum“ zu erkundigen. Es stellte sich dann gleich heraus, dass ich sehr zentral wohnte (Haymarket Terrace) und ich nur ca. 15 Minuten Fußmarsch bis zum „center“ hatte. Die Eingangshalle im Museum war sehr imposant, besonders gefallen hat mir die faszinierende „Millennium Clock“. Ich möchte hierbei gleich erwähnen, dass der Großteil der schottischen Museen kostenlos ist. Besonders empfehlenswert ist die Ausstellung über den faszinierenden und weltbekannten Künstler „Pablo Picasso“.

Wenn Engel reisen wird das Wetter schön. Von Sonnenstrahlen wurde ich am Montagmorgen sehr früh geweckt. Mit einem leichten Krippeln im Bauch machte ich mich auf den Weg zur Schule. In meinen Kopf schwebten viele unbeantwortete Fragen: „Was wird mich wohl erwarten?“, „Finde ich den richtigen Weg?“, „Wie wird das Schulleben so sein?“… Völlig unnötige Gedanken. Kaum schlug ich meinen Busplan in der „Princes Street“ auf, fragten mich gleich zwei Passanten ob sie mir helfen könnten. Kurze Zeit später saß ich dann auch schon im richtigen Bus und als wir in Morningside ankamen, wies mich der Busfahrer darauf hin, dass ich jetzt aussteigen muss. Unser Schulhäuschen lies sich auch in Null Komma nichts auffinden und schon bald begrüßte mich der Hausherr, Peter, mit einem gut gelaunten: “Good morning Guide! How are you?“ Er wies mich in sein Wohnzimmer, wo es sich bereits meine Mitschülerin Claudia auf dem Sofa bequem gemacht hatte. Dort lauschten wir nun täglich von Mo-Fr (9-16:30 Uhr) Christines abwechslungsreichem Unterricht. Wir erzählten viel über unsere Pläne und Vorhaben in Schottland, machten gemeinsam Grammatikübungen und Rollenspiele und lasen äußerst interessante Texte. Die Mittagspausen verbrachten wir immer im sehr nahe gelegen „Marks & Spencer“, der uns täglich mit leckeren, jedoch ziemlich preiswerten Sandwiches verwöhnte.

Da unserer Schulleben immer sehr ausgefüllt war, hatten wir am Spätnachmittag nur wenig die schottische Hauptstadt zu erkundigen. Die meisten Sehenswürdigkeiten und Geschäfte schlossen täglich um 18 Uhr (Donnerstag hatten sie bis 20 Uhr geöffnet). Nichts desto Trotz waren einige Shoppingtouren drinnen und ein Besuch in der beeindruckenden Festingungsanlage des „Edinburgh Castle“.

Da das Wetter es täglich sehr gut mit uns meinte, packte ich die Gelegenheit am Schopfe, ein paar schöne Fotos vom „Calton Hill“ aus zu schießen. Wirklich eine sehr brillante Aussicht über die Stadt.

Abends bekochte uns unsere Gastgeberin immer mit sehr leckeren und abwechslungsreichen Gerichten. Na ja, viel mehr gesagt die Mikrowelle verwöhnte uns. Was würden die Schotten nur ohne ihrer heiß geliebten Mikrowelle machen?! Nach dem Essen folgte der tägliche Verdauungsspaziergang durch die lebendige „Princes Street“. Tot müde, jedoch glücklich viel ich nach dem Genuss des „Window Shopping“ ins Bett.

Ein mit Plänen geschmiegtes Wochenende stand vor der Tür. Samstags machten wir uns auf den Weg, dem Monster im „Loch Ness“ einen Besuch abzuhalten. Die lange Reise führte uns durch atemberaubende Landschaften, tollen Panoramen und schon allein die Highlands waren es wert die lange Busfahrt in Kauf zu nehmen. Das Monster freute sich anscheinend nicht so auf uns, denn blicken lies es sich leider nicht.

Eigentlich wollte ich am Sonntag mit der Queen gemeinsam einen englischen Tee in ihrem „Palace of Holyroodhouse“ trinken, jedoch war sie unauffindbar. Freundlicherweise durfte ich jedoch einen Teil des Palastes – natürlich gegen ein gewisses Entgelt – besichtigen. Die Innenausstattung und das Gebäude selber sind sehr eindrucksvoll, vor allem die Gemälde der verschiedenen Könige usw. hängen wirklich „in jeder Ecke“ um es mal salopp zu sagen. Nicht weit zur Rechten des Palastes erhebt sich der Tafelberg „Arthur´s Seat“ hoch über Edinburgh. Es gibt einen sehr schönen (wenn auch teilweise ziemlich steilen) Wanderweg auf bzw. um diesen Berg herum. Von diesem Weg aus hat mach auch einen sehr guten Blick auf das „neue schottische Parlament“, welches sich direkt gegenüber dem Palastes befindet. Nachdem man oben um eine kleine Kurve gegangen ist, hat man auf einmal das Gefühl, plötzlich ganz woanders in Schottland zu sein.

Am letzten Tag hab ich morgens noch einen kleinen Einkaufsbummel durch die Stadt gemacht, letzte Fotos geschossen bevor ich mich dann mit dem Bus 100 auf den Weg zum Flughafen machte. Dort hieß es dann endgültig „Bye, bye Edinburgh“. Die zwei unvergesslichen Wochen verflogen nur so und eins steht für mich fest: „I will come back!“. Edinburgh ist eigentlich mit einem Wort zu beschreiben – WUNDERSCHÖN!

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