Gabriela Piesche

Zuerst entschloss ich mich über IST zu buchen, da mein zweitältester Sohn schon über IST zum Schüleraustausch in den USA war und wir sehr zufrieden waren .Dann entschied mich für Boston , hier lebt seit einem halben Jahr mein ältester Sohn und gleichzeitig beschloss ich in einer Gastfamilie zu wohnen.

14 Tage vorher erhielt ich den Namen und die Adresse von meiner Gastfamilie. Ich schrieb ihr sofort eine E-Mail und erhielt auch gleich Antwort. Marla ( so hiess meine hostmother ) schrieb mir , dass sie und ihre Familie sehr stolz darauf sind seit 10 Jahren eine hostfamily für Studenten aus aller Welt zu sein. Zur Zeit würden bei ihr 4 Studenten wohnen. Nun bekam ich es doch mit der Angst zu tun.Was würde mich erwarten? Ist das Badezimmer sauber , die Toilette und die Matratze ?

Mein Sohn erwartete mich schon am Flughafen , das war zu meinem Vorteil , ich musste mich nicht selbst durchfragen. Meinen ersten englisch- sprachigen Kontakt hatte ich bereits hinter mir , ich reklamierte meinen kaputten Koffer , allerdings erfolglos.

Zuerst fuhren wir ein Stück mit der Silver Line und dann , für mich als nachträgliches Geburtstagsgeschenk, mit dem Wassertaxi. Dadurch erhielt ich eine sehr eindrucksvolle Sicht auf Boston.

Ungefähr 4 min von der Red Line Haltestelle entfernt sah ich es endlich Marlas Georgian Colonal Haus mit seinen 28 Zimmern . Der Haupteingang war verschlossen, so fanden wir nach längerem Suchen den eigentlichen Eingang im Hof zwischen Gerüsten versteckt und nach meinem Klingeln öffnete ein junges Afro-Amerikanisches Mädchen die Tür. Marla wartete bügelnd in der Küche. Ausserdem war da noch Marlas Sohn , 20 jährig ,der sich so über sein Gastgeschenk freute ,dass er mir die nächsten Tage noch zeigte , dass er es auch benutzte . Sah es draussen und im Hausflur noch sehr nach Arbeit aus ( das Haus wurde gerade neu gestrichen) gefiel mir die Inneneinrichtung . Massive antike Möbel und ringsherum viele , viele Puppen platziert. Nach unserem Bekanntmachen wurde mir mein Zimmer gezeigt , es war im Familientrakt , sehr gross , bequem und mit allem was man so braucht ausgestattet. Mir hat es sehr gut gefallen. Als erstes entdeckte ich auf meinem Schreibtisch 3 Blätter mit „ Rules „ Für jedes Mitglied im Haus gab es Duschzeiten , jeder musste das Bad sauber verlassen und auf gar keinen Fall Haare hinterlassen. Es gab noch mehr Regeln , so viele ,dass meine Ängste bezüglich der Sauberkeit unbegründet waren , denn alle hielten sich daran ( ausser die mit dem Toilettendeckel ) Später habe ich erfahren das es nicht überall so sauber war ,aber die betroffenen Studenten hatten die Möglichkeit zu wechseln ).

Montag Morgen , ich kaufte mir ein Monatsticket, und fuhr mit der Red Line und einer Zeitung ( von nun an nahm ich immer eine Zeitung , die bekommt man kostenlos in die Hand gedrückt) 25 min bis South Station und von dort brauchte ich noch 3-4 min zu Fuss bis zur Sprachschule LSI.

Nach der Begrüssung erfolgte der Einstufungstest , anschliessend konnten wir unsere E_Mails abrufen .Dafür gab es auch Rules , jeder nur so lange , dass auch die anderen den Computer nutzen können. Ich machte mir zur Gewohnheit meine E_Mails immer morgens ganz zeitig zu checken , die anderen Studenten kamen alle etwas später , jedoch(meistens) nie zu spät , denn das war auch eine Rule.

Nächsten Tag erhielten wir unsere Testergebnisse in Form unserer Klasseneinteilung . Es gab die Elementary , Pre intermediate , D1 intermediate , Upper Intermediate und advanced class.

Ich bin in der Elementary class gelandet , da die Hörkassette zu schnell für mich war. Die nun durchgenommene Grammatik war für mich Wiederholung, da aber alles in Englisch erklärt wurde , waren für mich die Vokabeln und das Hineinhören in die Sprache ein Grund in der Klasse zu bleiben ( es hätte die Möglichkeit des Wechselns gegeben). In der letzten Woche gab es einen Wechsel, ich kam in die Pre intermediate class mit dem Schwerpunkt Conversation und das gefiel mir wesentlich besser. Überhaupt war ich erstaunt als ich in meine Klasse kam , es gab noch ältere als mich, Pedro aus Brasilien , Guske und Rume aus Japan . Die anderen 5 Studenten waren zwischen 16 und 40 Jahre alt und kamen aus Columbien , Venezuela , Südkorea und Frankreich. Mittags gingen wir in kleinen oder grösseren Gruppen in einen der umliegenden , preiswerten Schnellimbiss –Restaurants. Ich entschied mich meistens für ein chinesisches Gericht oder Pizza oder ich ging mit meinen mitgebrachten Früchten auf die Dachterrasse und sonnte mich ein wenig.

Es gab nicht nur Unterricht , auch an gemeinsamen Aktivitäten konnten sich die Studenten beteiligen ,meine erste Teilnahme war „ Scooper fest Ice-cream with Jay „ .Wir bezahlten 5 Dollar und konnten soviel Eiscreme essen wie wir wollten. Das ganze fand auf einem grossen Platz statt und so wie ich es verstanden habe , war es das 25 jährige Jimmy Fund Scooper Bowl Fest und wurde vom Dana-Farber Cancer Institut ins Leben gerufen für Wohltätigkeit und zur Krebs-Forschung. Jeder bekam einen kleinen Löffel , damit bewaffnet konnten wir nun zu den einzelnen Eisherstellern gehen und die verschiedensten Geschmacksorten testen. In jedem Becher war eine grosse Kugel , manche machten sich den Spass und stapelten die Becher. Da wurden leicht mal bis zu zehn und mehr Becher gesichtet. Nach meinem 5.Becher warf ich dann die einzelnen sofort weg , so das es nicht mehr nach so viel aussah.

Meine zweite Activity war die „ Duck Tour“ ,ebenfalls mit Jay ( Jay war ein sehr netter, junger Mann , mit typisch amerikanisch- r-rollenden Akzent , der für alles Organisatorische verantwortlich war und den ich am wenigsten sprachlich verstand ). Wir bezahlten dafür 20 Dollar , was eigentlich 37 Dollar gekostet hätte. Wir fuhren mit einem Truck durch Boston und dann mit eben diesen in voller Fahrt in den Charles River und siehe da , es verwandelte sich unter viel Gebrüll unsererseits , in ein Boot. Der Fahrer unterhielt uns die ganze Zeit übers Mikro und lies uns dann auf dem Wasser selbst lenken , wir lachten und fotografierten ununterbrochen. 

Eine Activity muss ich aber noch erzählen.Wir fuhren zum „ Whale Watch „ mit einem Ferry Boat aufs Meer um Waale zu sichten. Mein Lehrer Bob , er vertrat Jay an diesem Tag , bot uns seine Seasick-Tabletten an und nahm selbst gleich eine . Der Anfang war berauschend schön aufs offene Meer hinaus zufahren , doch als die Wellen stärker wurden , wurden wir alle ruhiger und blasser. Bob stöhnte hörbar neben mir und erbrach sich trotz Tablette , meine Mitstudenten waren teilweise auch nicht besser dran und machten es ihm nach. Ich musste ganz konsequent zum Horizont schauen , damit es mir nicht auch so ergeht. Mit der Faszination die grossen Säugetiere zu beobachten , wurde ich für mein Unwohlsein belohnt. Bob bekam überhaupt nichts davon mit , er meinte dann später , für kein Geld der Welt würde er noch einmal die Vertretung übernehmen.

Von Montag bis Donnerstag wurde unterrichtet und jeweils am Freitag wurde ein Test geschrieben. Ich fand die Zeit etwas zu knapp , und ärgerte mich am Anfang . Da es aber um nichts „ wichtiges“ ging , blieb ich danach cool. Auch wurde am Freitag die Graduation von den uns verlassenen Studenten durchgeführt , der jeweilige Lehrer gab sein Statement über seinen Studenten ab und der Student hielt eine kleine Rede , natürlich in Englisch.Viele Umarmungen und der Austausch von E-Mail Adressen folgten.

Der Unterricht war abwechslungsreich , neben Grammatik sprachen wir auch über aktuelle Zeitungsberichte ( ich las deshalb täglich morgens in der U-Bahn einen Bericht intensiv). Wir sahen gemeinsam einen Film, jeder erhielt ein Blatt und wir sollten die Charakterzüge von dem uns zugeteilten Schauspieler aufschreiben oder wir spielten Lego mein Ego. Zwei oder drei Studenten bildeten eine Gruppe , einer bekam die Augen verbunden ,die Sehenden erhielten ein Legomodell mit 3oder vier Steinen. Jede Gruppe bekam ein anderes Modell. Dann musste der „Blinde“ nach den Legosteinen tasten und seine Mitspieler gaben die Anweisungen in Englisch : wo , welche Grösse, passende Farbe und dann das Schwierigste, der Aufbau , so das es zum Schluss wie das Original aussah. Wenn eine Gruppe damit fertig war , riss der „Blinde“seinen Arm hoch und rief „Lego mein Ego“. Das war ein Gekreische und Gelächter . Mir gefiel dieses Spiel besonders gut . Wir wurden gelobt mit : „ Good job. “

 An einem Wochenende fuhren wir mit dem Bus nach NewYork und übernachteten in einem Hostel , welches wir vorher übers Internet buchten. Das Hostel war sauber und preiswert und mit dem so gesparten Geld ( Hotel hätte 100 Dollar gekostet) sahen wir uns am Abend auf dem Broadway das Musical RENT an , anschliessend ging es auf das Empire State Building , welches bis 2 Uhr nachts auf hatte. Nächsten Tag sahen wir uns den Central Park , United Nation , Rockefeller Centre , Ground zero , Trinity church , Wallstreet , Statue of Liberty und vieles mehr an .

Das darauffolgende Wochenende waren wir in NewPort ,Rhode Island wo wir sehr grosse Sommer-Residenz-Häuser der früheren reichen Städter besichtigen konnten und den steinigen wie romantischen Cliff walk am Atlantic entlang gingen.

Es gab auch Tage da ging ich mit Marla und Puppy ( ihren kleinen jungen Hund ,der, wenn er sein Geschäft gemacht hatte , gelobt wurde mit : „ Good job “ ) in der Neighborhood spazieren , dabei besuchten wir einmal eine gute Bekannte von Marla. Diese sprach ein wenig deutsch . Sie wäre in ihrer Schulzeit ausversehen in eine falsche Klasse gekommen,und an der Tafel hätte gestanden: „Ich trinke Milch“. Da hat sie sich gedacht , also wenn das so eine einfache Sprache ist : „ I drink milk“, dann werde ich sie erlernen.

Über das Essen und die Esskultur möchte ich noch etwas berichten. Besonders delikat und empfehlenswert sind Lobster und clam chowder im Restaurant oder am Strand . In meiner Gastfamilie war es üblich immer von Einmal-Plastik-Tellern zu essen , auch wenn Marla etwas besonderes zubereitet hatte und der Schrank voll mit Porzellan war .

Es war mein Jahresurlaub den ich für die Sprachreise genommen habe und diese 4 Wochen waren so intensiv gefüllt mit Neuem , dass ich trotzdem erholt , mit 2 kilo weniger Gewicht , mit jeder Menge E-Mail Adressen und guten Erinnerungen glücklich nach Hause zurückgekommen bin.

Ich kann sagen : „ Good job. “

Weitere Erfahrungsberichte aus Boston


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